Dresdner sprinten im regen zu gold – campus-ol wird zur geduldsprobe
35 Posten, ein knöcheltiefer Hagelregen und ein Campus, der plötzlich wie ein ausgewaschener Orientierungskarten-Sudoku wirkt: Die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Orientierungslauf haben am Donnerstagmorgen in Paderborn begonnen – und sie endeten mit einem Debüt-Sieg, der selbst alte Hasen stutzen ließ.
Erststart, erstes gold: dresdner duo überholt alle
David Saupe rennt seit drei Semestern für die TU Dresden, aber auf einer Karte herumzupuzzeln, das hatte der 19-jährige Maschinenbauer vorher nie probiert. Gemeinsam mit Wenke Heinemann (21, Sportwissenschaft) stürmte er im Staffelrennen trotz strömenden Regens in 42:17 Minuten durchs Ziel – knapp 40 Sekunden vor dem Trio aus Kiel. „Ich hab einfach nur geschaut, wo’s langgeht und Vollgas gegeben“, sagte Saupe, noch komplett durchnässt, aber lachend. Dass er dabei sämtliche erfahrene Posten-Sucher hinter sich ließ, macht die Sache nur noch süßer.
Veranstalter hatten die 35 Kontrollpunkte quer über Hörsäle, Parkflächen und die Baustelle vor der Fakultät für Elektrotechnik verteilt. Zwischen den Gebäuden zogen sich enge Gassen, in denen selbst GPS-Signale einfach mal Pause machen. „Wenn du hier zweimal kurz unsicher bist, biste zwei Minuten los“, erklärte Nikolaus Risch, scheidender Disziplinchef des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes. Er selbst hatte 1990 den Campus-OL erfunden – nun feierte er seinen Abschied mit genau diesem Format.

Bad lippspringe wartet mit altem wald und neuen favoriten
Am Freitag wechselt der Schauplatz in den Kurwald von Bad Lippspringe. 6,2 Kilometer, 220 Höhenmeter, dafür keine Betonwände, dafür umso mehr Wurzeln. Saupe und Heinemann haben schon gemeldet – sie wollen den Doppelpack. „Im Gelände kann man mehr Tempo rausnehmen“, glaubt Heinemann, „wenn wir die Karte sauber lesen, ist alles drin.“
Risch blickt wehmütig, aber zufrieden. „Orientierungslauf ist kein Rennen gegen andere, sondern ein Rennen gegen die eigene Unsicherheit“, sagt der 67-Jährige. Nach 36 Jahren im Amt übergibt er den Staffelstab – und lässt dabei 100 Studenten quer durch Deutschland sprinten, um zu beweisen, dass der nächste Schritt oft erst dann sichtbar wird, wenn man die Karte einfach mal dreht. Für Saupe war’s der erste Schritt, direkt aufs oberste Treppchen.
