Dresdner sc kratzt an der sensation – italienerinnen zittern bis zum schluss

2:3 gegen Chieri '76, und trotzdem steht die Margon-Arena nach 138 Minuten Volleyballam Donnerstagabend noch Kopf. Der Dresdner SC schickt den haushohen Favoriten aus Turin mit zittrigen Knien Richtung Heimspiel – und sichert sich selbst die beste Ausgangslage, die man sich nach zwei verlorenen Sätzen erträumen kann.

Die ersten beiden sätze: ein deutsches manifest

Sprintstart statt Aufschrecken. Was in der Arena schon nach fünf Punkten klar war: Dresden will nicht verwaltet, sondern wegbolzen. Amanda Siksna und Co. nageln die Aufschläge ans Winkelband, Chieri patzt in der Annahme, Trainer Waibl trommelt unermüdlich von der Seitenlinie. 25:23, 26:24 – zwei Satzbälle, zwei Gesichter: Dresdner Jubel, italienischer Schock. Die Gäste, sonst ein Tempo-Geschütz, wirken plötzlich wie angefahren.

Aber schon im zweiten Satz sickert die Wahrheit durchs Netz: Chieri wacht auf. Die Blockstellung rutscht, die Pässe werden länger, und der Druck wächst mit jedem Side-out. Dresden zittert sich über die Ziellinie, doch die Energie, die in den ersten 45 Minuten aus den Reihen der Sachsen geschossen ist, lässt sichtbar nach.

Chieri dreht auf – und dresden verliert den faden

Chieri dreht auf – und dresden verliert den faden

Satz drei. Uhr steht auf 14:25 – ein Katastrophenläufer. Die Italienerinnen feuern Aufschläge wie Raketen, der Dresdner Annahmeblock zerbröckelt. Waibl wechselt, doch der Ruck kommt nicht. Satz vier identische Folge: 14:25. Die Margon-Arena verstummt, nur noch das trockene Knallen des Balles hallt durch die Halle. Chieri spielt sich in einen Rausch, Dresden sucht verzweifelt den Weg zurück ins Spiel.

Im Tiebreak dann die Momentaufnahme der ganzen Partie: 10:15 – knapp, aber nie wirklich dran. Die Italiener nutzen jeden Zweifel, jeden halben Zentimeter Netzrand, der sich bietet. Dennoch: Dresden geht mit zwei Satzbällen im Gepäck nach Turin. In der Statistik ein Verlust, in der Realität eine Visitenkarte mit Kletterpotential.

Waibl zieht bilanz – und kalkuliert kalt

Waibl zieht bilanz – und kalkuliert kalt

„Wir haben bewiesen, dass wir mit den Besten mithalten können“, sagt Alexander Waibl nach dem Abpfiff. Sein Blick schweift zur Decke, als würde er schon das Rückspiel durchplanen. Die Zahlen geben ihm recht: 9 Asse, 48 % Angriffserfolg in Satz eins und zwei – das reicht gegen jeden Gegner. Die Frage ist nur, wie lange.

Lo que nadie cuenta es: Chieri reiste mit nur einem Tag Vorlauf, musste Umsteigezeiten in München abfedern. Die Rückrunde im heimischen Palasport fällt kürzer aus, dafür lauter. Dresden hat eine Woche Zeit, die Annahme neu zu justieren und die Aufschlagserie zu schärfen. Kleiner Trost? Vielleicht. Aber im CEV-Cup zählt nur das Gesamtergebnis – und da führt ein 2:3 durchaus in die Verlängerung.

Die rechnung für turin lautet: 45 % oder nichts

Die rechnung für turin lautet: 45 % oder nichts

Wer Chieri in dessen eigener Halle ärgern will, muss mindestens 45 % in Angriff und Annahme kombinieren. Das haben die Statistiker der CEV ausgerechnet. Genau diese Marke verfehlte Dresden in den Sätzen drei und vier deutlich. Die Marschroute für das Rückspiel am 19. März ist klar: Aufschlagdruck von der ersten Minute, Mittelblock zusammenrücken, Zweifel wegschmettern.

Der Dresdner SC steht vor der Tür zur Europäischen Spitze. Er hat sie bereits einen Spalt breit aufgestoßen. Ob er sie in Turin ganz aufreißt, hängt weniger von italienischer Übermacht ab als von einer Frage: Wie viel Margon-Arena passt in einen Koffer? Die Antwort gibt’s in sieben Tagen – und sie wird laut.