Drei freunde, ein ziel: gattuso, buffon und bonucci jagen den traum vom wm-titel

Coverciano ist kein Trainingszentrum mehr, es ist ein Zeitkapsel voller Erinnerungen und Sehnsucht. Rino Gattuso bellt Anweisungen, Gigi Buffon flüstert Motivation, Leonardo Bonucci korrigiert die Abwehr wie ein Architekt, der sein eigenes Gebäude renoviert. Drei Karrieren, drei Egos, eine Mission: Italien zurück auf die Weltkarte des Weltfußballs.

Der pakt von 2006 lebt weiter

Der pakt von 2006 lebt weiter

Die Chemie ist keine Marketing-Story. Sie entstand in Berliner Nächten, als Buffon zwischen den Pfosten zitterte und Gattuso vor ihm alles zerfetzte. Bonucci war damals noch der Lehrling, schaute von der Tribüne auf die Giganten. Jetzt sitzt er neben ihnen, nicht als Spieler, sondern als Gehirn. Buffon holte Gattuso als Nachfolger für Spalletti, Bonucci schlug sich auf seine Seite. Kein Polit-Bündnis, sondern eine verschworene Crew, die weiß, dass nur gemeinsame Schweißgerüche Titel riecht.

Die Zahlen sind gnadenlos: Zwölf Jahre ohne WM-Halbfinal-Einzug, drei verpasste Turniere in Serie. Die Fans haben resigniert, die Sponsoren ziehen sich zurück. Doch in der Kabine herrscht keine Angst, sondern ein fast militärischer Fokus. Gattuso hat die Lautstärke heruntergedreht, dafür die Intensität hoch. Buffon zieht jeden Einzelnen beiseite, erzählt vom Ping-Pong-Match vor dem Halbfinale 2006, das er beinahe verpasst hätte. Bonucci zeigt Clips von Chiellini, wie er Ronaldo in die Tasche steckte. Die Botschaft: Wir waren schon groß, wir können es wieder werden.

Beim Abendessen in Coverciano gibt es kein Menu, sondern eine Tagesordnung. Thema eins: Nordirland. Thema zwei: Die Angst, wieder nur ein Sommermärchen zu werden. Gattuso redet nicht vom „Spiel seines Lebens“, er redet vom „Spiel, das unser Leben rettet“. Buffon nickt, Bonucci stimmt zu. Draußen wartet ein Land, das sich nach neuen Helden sehnt. Drinnen sitzen drei, die bereits Geschichte geschrieben haben – und sie neu schreiben wollen.

Am 19. Juli könnte das Trio im MetLife Stadium von New Jersey stehen. Dann wäre nicht mehr nur eine Nation im Rausch, sondern eine Generation, die ihre eigene Legende beerbt. Die Frage ist nicht, ob sie es schaffen. Die Frage ist, wie lange wir noch zögern, sie wieder zu lieben. Denn wenn Gattuso, Buffon und Bonucci sich umarmen, schlägt ein Herz – und das ist italienisch bis in die letzte Arterie.