Doué pulverisiert kolumbien: frankreichs b-elf lässt wm-trauma vergessen
Landover schwappt noch in Blau. Désiré Doué jagt mit zwei Kopfballknallern die Riesenfrage durch das FedExField: Warum hat Didier Deschamps eigentlich noch eine Startelf, wenn der Kader so tief ist, dass selbst Michael Olise und Kylian Mbappé nur noch Kurzzeitkraftwerke sind?
Der 19-jährige macht das tor, das ihm brasilien verweigerte
59 Sekunden. So lange brauchte Doué, um Kolumbiens Abwehrzentrale in die Zange zu nehmen. Erst stocherte er den Querschläger von Youssouf Fofana über die Linie, dann stützte er sich an Deiver Machado ab und nickte zum 2:0 ein. Der Treffer war gerecht – und zugleich ein Affront an alle, die ihn nach dem 2:1 gegen Brasilien noch als „Glücksritter“ abtun wollten.
James Rodríguez sah aus wie ein Archivar, Luis Díaz wie ein Flügelsturm in Watte. Die kolumbianische Presse nennt das „trágalos“, das Gefühl, ein Eisblock bleibe im Hals stecken. Díaz, sonst der Dribbelgott von Anfield, wurde von Jules Koundé und Castello Lukeba in eine Ausstellungspuppe verwandelt. Statistik-Server Sofascore notiert: 0,11 erwartete Tore, 0,07 erwartete Vorlagen – Zahlen, die selbst den FC-Bayern-Kollegen Olise auf der Bank schmunzeln lassen mussten.

Deschamps spielt schach mit 26 brettern
Die komplette Rotation war kein Luxus, sondern ein Statement. Deschamps testete nicht nur Doué, er testete die Zukunft. Marcus Thuram, einst Gladbacher Torjäger, nun Sturmzentrum mit Tiefgang, erzielte das 2:0 nach einer Flanke, die Eduardo Camavinga mit dem ersten Kontakt halbvolley in den Fünffer donnerte. Die französische TV-Kanal+ lachte: „Wenn das die zweite Garde ist, will niemand die erste sehen.“
Der Sieg schließt eine US-Reise ab, die vor allem eins offenbarte: Frankreich kann Turniere auch dann gewinnen, wenn Mbappé nur 17 Minuten spielt und Dembélé gar nicht. Die WM-Gruppe mit Norwegen, Senegal und dem Irak-Bolivien-Sieger mutiert zur Vorbereitungsrunde. Kolumbien dagegen muss gegen Portugal, Usbekistan und den Kongo-Jamaika-Gewinner zittern – und weiß jetzt, dass ein Díaz allein nicht reicht, wenn die Mitte bröckelt.
Am 13. Mai fällt der endgültige Schnitt. Doué hat sich ein Ticket verdient, Díaz eine Warnung. Und Landover? Ein Stadion, das künftig in Geschichtsbüchern steht als Ort, an dem Frankreich seine Reserve entzauberte – und Kolumbien feststellte, dass Freundschaftsspiele manchmal böse Brüder sind.
