Dossow-fischer packt aus: warum die volleys zittern müssen
Felix Dossow-Fischer kennt die Playoffs wie seine Tasche. Sechs Titel, 13 Jahre BR Volleys, Trikot an der Hallendecke – und jetzt sitzt er am Mikro, darf sagen, was er früher nur flüsterte. Sein Urteil zum Viertelfinal-Derby gegen Königs Wusterhausen: „Das kann weh tun.“
Die wahrheit, die sonst keiner ausspricht
Als Spieler durfte er die Jungs nicht anpflaumen. Jetzt legt er nach: „Wenn ich sehe, wie sie phasenweise den Faden verlieren, platziere ich den Satz eben im Livestream.“ Die BR Volleys haben sich in dieser Saison öfter selbst blockiert als jedes gegnerische Mittelblocker-Duo. Fedor Ivanov als neuer Zuspieler? „Braucht noch Taktgeber-Erfahrung“, sagt Dossow-Fischer. Klar, dass das intern nie so offen hätte fallen dürfen.
Die Max-Schmeling-Halle wird wieder kochen. 6.000 Fans, Derby-Feeling, Netzhoppers als vermeintliches Schlachtopfer. Doch der Ex-Profi warnt: „KW spielt befreit auf, weil keiner sie auf der Rechnung hat.“ Er selbst hat die Talfahrt der Brandenburger mitbekommen: Sponsoren abgesprungen, Insolvenzverfahren, Dirk Westphal musste erst das Fundament neu gießen. Jetzt steht ein Team da, das „block- und variationsfreudiger“ wirkt als mancher Top-Club.

50:50 In der lausitz – nur nicht in berlin
In Königs Wusterhausen rechne er sich „echte Chancen“ für die Netzhoppers aus. Die Volleys liefern sich Aufschlag-Duelle, verheddern sich in Annahme-Pannen, kassieren 0:3-Sätze wie nebenbei. Dossow-Fischer kennt die Muster: „Wenn die Nerven flattern, gewinnt nicht das bessere, sondern das kühleres Team.“ Sein Tipp: „Ein Spiel geht verloren, vielleicht gerade das erste. Dann wird’s heiß.“
Weiter als das Viertelfinale will er den Blick nicht schweifen lassen, aber die Andeutung sitzt: Lüneburg tobt, Friedrichshafen schlägt auch Pokalspiele ein. Mentalität wird die Meisterschaft entscheiden – nicht der Punkteschnitt der Hauptrunde. Dabei schwingt eigene Erfahrung mit: „Ich bin nur einmal in Berlin Meister geworden, sonst immer auswärts. Heimvorteil kann Fluch sein.“
Für die Fans klingt das wie ein Warnschuss vor dem ersten Aufschlag. Für Dossow-Fischer ist es das Beste, was ihm nach der Karriere passieren konnte: endlich offen sagen, warum der Ball runterfällt – ohne um Kabinenfrieden fürchten zu müssen. Die Volleys haben sich gewünscht, er möge kommentieren. Jetzt bekommen sie die volle Breitseite. Ob sie auffangen, entscheidet sich schon am Freitag in der Lausitz-Arena.
