Dosb zahlt mit 6:3-kompromiss zähne aus – athleten deutschland schreit

Berlin, 19. März 2026 – Der Deutsche Olympische Sportbund bekommt mehr Stimmen im Stiftungsrat, aber er kriegt nicht die Augenhöhe, die er versprochen hatte. Das Kanzleramt dreht an der Schraube: 4:1 wurde 6:3. Ein halbes Plus, ein halbes Niederlage. Und die Sportlervertretung? Die fühlt sich betrogen.

Warum der neue entwurf trotzdem kratzige stimmen erzeugt

Warum der neue entwurf trotzdem kratzige stimmen erzeugt

Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt

Ich habe den 69-Seiter auf dem Tablet, zwischen zwei Kaffeehaustrinken. Die PDF-Seiten riechen noch nach Druckerfarbe und nach Kompromiss. Der DOSB spricht von „konstruktiven Gesprächen“, Athleten Deutschland von „Verhinderung unabhängiger Vertretung“. Beide lesen dasselbe Dokument, beide erfinden unterschiedliche Geschichten daraus.

Die Kernaussage: Das Kanzleramt räumt dem Sport zwei zusätzliche Sitze ein, behält aber die Mehrheit. Die Politik kann weiter entscheiden, wohin die Bundesmillionen fließen – nur eben nicht mehr ganz allein. Der DOSB darf jetzt lauter „Hallo“ sagen, muss aber trotzdem „Ja“ sagen, wenn die Schenderlein-Abteilung den Hammer schwingt.

Draußen vor dem Kanzleramt stehen Pia Greiten und ihre Mitstreiter. Die Athleten-Deutschland-Chefin nennt das Papier „Flickenteppich mit Löchern“. Ihr Vorwurf: Wer die Stimmen der Aktiven nicht gleichwertig verankert, versteckt sich hinter Formalien. „Wir bleiben das Betriebsrats-Versprechen, das keiner einlösen will“, sagt sie und klingt dabei wie eine Gewerkschafterin, die gerade den Arbeitskampf verloren hat.

Im DOSB-Büro hingegen atmet man kurz durch. Dort spricht man intern von „Ergebnisoffenheit“. Was heißt das? Man wird weitermeckern. Die nächste Runde liegt schon in der Mailbox, punktgenau mit dem Betreff „Optimierungspotenzial“. Man kennt sich.

Loch Nummer eins: Die Mittelverteilung. Loch Nummer zwei: Die unabhängige Athletenvertretung. Loch Nummer drei: Die Frage, ob die neue Agentur am Ende nicht doch nur ein Verlängerungskabel der Politik wird. Die Sportministerin bekommt ein dickes Dankesschreiben, aber keine Garantie, dass ihre Nachfolgerin nicht wieder umschaltet.

Die Szenerie erinnert an ein Pokalendspiel, in dem die Mannschaft, die führt, plötzlich Einwürfe verteilt, damit der Gegner nicht komplett aufgibt. Die Fans auf den Rängen – also die 90.000 Vereine draußen im Land – schauen verwirzt. Die wollen wissen: Fließt mehr Geld in den Nachwuchs? Kommen endlich Steuererleichterungen für Trainerstellen? Oder diskutieren wir nur über Sitzplätze, während die Hallen bröckeln?

Fakt ist: Der Entwurf ist ein Schritt, kein Ziel. Die Quote 6:3 klingt nach Fortschritt, ist aber immer noch keine Satzmehrheit. Solange die Politik „nein“ sagen kann, ohne sich abstimmen zu lassen, bleibt der Sport ein Gast im eigenen Haus. Und solange Athleten Deutschland draußen steht, wird der Ruf nach echter Codetermination lauter, nicht leiser.

Der nächste Bundestag entscheidet im Sommer. Bis dahin wird gelobt, gebetsamt und gedroht. Am Ende zählt nur, ob die Vereine mehr Geld sehen – oder nur mehr Papier. Ich tippe auf letzteres, wünsche mir ersteres und schließe das Tablet. Die PDF-Seiten riechen immer noch nach Kompromiss, aber nun auch nach Schweiß. Der Kampf geht in die Verlängerung, Schiedsrichter ist die Zeit.