Dos santos fliegt, lugano stolpert: st.gallen zieht vorbei

Ein Foul, zwei Gelbe, alles weg. Daniel Dos Santos schoss sich in 13 Minuten aus dem Spiel und den FC Lugano aus der Partie – St.Gallen nutzte die Überzahl gnadenlos und schob sich in der Tableau oben vorbei.

Die 64. minute, die alles zerlegte

Der Match war noch offen, als Dos Santos in der 51. Minute seine erste Verwarnung kassierte. Die zweite folgte, weil er den Ball verpasste und dafür Timothée Witzig umgrätschte. Schiedsrichler Sandro Schärer zückt Rot – und die Tessiner Pläne zerbröseln. Mit einem Mann weniger wirkt Luganos Block plötzlich wie ein Schweizer Käse: Löcher überall, kein Mittel gegen die St.Galler Kombinationen.

Mattia Croci-Torti stellt um, schiebt die Kette tiefer, doch die Lücken bleiben. Die Köniz-Elf findet keine Sprungbretter mehr, weil Dos Santos’ Einsatz zuvor genau die Binde zwischen Defensive und Mittelfeld war. Ohne ihn verliert das Spiel seine DNA: kein Pressing, keine zweite Welle, nur noch Reaktion statt Aktion.

Die Statistik lügt nicht: Lugano kassierte in den letzten drei Saisonspielen mit numerischem Nachteil vier Gegentore in 67 Minuten. Die Tendenz ist kein Zufall, sondern eine Schwäche, die St.Gallen diesmal schon früh erkannte und auszog wie einen Dauerschuss.

Was das für den rest der saison bedeutet

Was das für den rest der saison bedeutet

Mit dieser Niederlage bleibt Lugano auf Rang fünf, die direkten Konkurrenten ziehen davon. Die Play-off-Ränge rücken in weite Ferne, denn der Kalender bietet kein Zuckerprogramm: Basel auswärts, dann Servette, danach YB. Dos Santos muss zuschauen, das Mittelfeld droht erneut zu bröckeln.

Croci-Torti kann auf Dapprélo oder Macek ausweichen – beide haben aber nicht die Laufmeter und Zweikampfquote des Brasilianers. Die Lösung muss in der Kreativität liegen: schnelleres Umschaltspiel, frühere Balleroberung, weniger Risiko im Aufbaupass. Kurz: ein Systemwechsel, der ohne seinen Ballgewinner auskommt.

St.Gallen dagegen tankt Selbstvertrauen. Nach der Pokal-Blamage gegen Xamax war dies die Antwort mit Sieggekröse. Trainer Boll erntet Lob für den Mut, mit zwei Stürmern in die Überzahl zu gehen – ein Risiko, das sich auszahlte und die Tabellensituation festigt.

Für Lugano tickt die Uhr. Die Meisterschaft ist kein Kurzstreckenlauf mehr, sondern ein Marathon mit Hangrunde. Wer in dieser Phase Punkte verschenkt, kann im Frühling nur noch hinterherhinken. Dos Santos wird am Sonntag fehlen, das Team muss beweisen, dass es auch ohne seinen Rasta-Kracher funktioniert. Sonst droht ein Frühjahr voller Nachholeinsätze und halbleerer Ränge.