Dos santos fliegt, lugano kollabiert: st.gallen schlägt zu wie der blitz

Ein Schritt zu spät, eine Sekunde zu spät – und schon war die Partie gelaufen. Daniel Dos Santos rammte Luca Witzig, der Pfiff von Schiedsrichrer Urs Schnyder gellte durch die Kybunpark-Arena, Rot. Die 64. Minute, Lugano mit einem Mann wenig, der Traum vom Punkt war aus.

Was danach folgte, war kein Fußballspiel mehr, sondern eine Demonstration klinischer Effizienz. St.Gallen drehte auf, Lugano drehte durch. 3:0 lautete der Endstand, doch die Zahl trügt: Es hätten fünf, sechs werden können.

Croci-torti stellt sich dem desaster

Mattia Croci-Torti, sonst ein Mann der klaren Worte, wirklich nach dem Abpfiff wie angewurzelt. „Wir haben die erste Halbzeit noch irgendwie gehalten, aber nach dem Platzverweis war Schluss“, sagte er leise. Die Statistik gibt ihm recht: Vor der Ampelkarte kam Lugano noch auf 0,67 xG, danach nur noch auf 0,09. St.Gellen dagegen explodierte von 1,1 auf 2,4 erwartete Tore.

Der Knockout begann schon in der 15. Minute, als Chihadeh nach einem katastrophalen Abspielfehler von Lovric das 1:0 erzielte. Lugano wirkte wie betäubt, die schnelle Ballzirkulation, sonst ihr Markenzeichen, setzte nur noch in Fetzen. Dos Santos’ Grätsche war da nur die logische Eskalation eines Kollektivs, das den Faden verloren hatte.

Die Szene selbst war so kurz wie brutal. Witzig nahm den Ball mit, Dos Santos ging zu Boden, die Sohle kam spät, die Kante traf Knöchel. Gelb-Rot, keine Diskussion. Der Tessiner schlug die Hände über dem Kopf zusammen, wusste sofort: Die Kiste ist zu.

St.gallen nutzt die numerische überlegenheit gnadenlos

St.gallen nutzt die numerische überlegenheit gnadenlos

Was folgte, war ein Lehrstück in Power-Play-Fußball. St.Gallen verschob das Spiel nach links, zog Lugano in den Halbraum und schaltete dann um auf den freien Mann. Bereits in der 71. Minute erhöhte Guilherme Schettine per Kopfball auf 2:0, das 3:0 besorgte Betim Fazliji mit einem sehenswerten Schlenzer in den Winkel. Dazwischen scheiterten die Gastgeber noch zweimal am Pfosten, einmal rettete Lugano-Keeper Amir Saipi mit einer Weltklasse-Parade.

Für Lugano war es die dritte Niederlage in den letzten vier Spielen, der Abstand zu den Europacup-Plätzen wächst auf fünf Punkte. Die Trendwende bleibt aus, die personelle Lage spitzt sich zu: Neben Dos Santos fehlen nun auch Lovric (Gelbsperre) und Bottani (Oberschenkel) im nächsten Spiel gegen Yverdon. Croci-Torti muss umstellen, doch wer soll spielen?

Die Antwort wird ihm kaum gefallen. In den letzten 30 Minuten mit zehn Mann sah man ein Team, das sich selbst nicht mehr glaubte. Die Läufe wurden kürzer, die Pässe ungenauer, die Körpersprache verzweifelt. St.Gallen dagegen spielte wie entfesselt, hämmerte Ball um Ball in den Strafraum. Am Ende stand ein Ergebnis, das die Leistungsdifferenz auf den Punkt bringt.

Und Dos Santos? Er schritt mit hängendem Kopf in die Kabine, wissend, dass seine Dummheit die Saison seines Klubs ins Wanken bringen könnte. Die Super League ist gnadenlos, die Konkurrenz schläft nicht. Wer so patzt, fliegt – und zwar abwärts.