Dortmund zittert sich ins finale und will revanche gegen bensheim
Nieke Kühne schlug die Hände vors Gesicht, die Tränen kamen trotzdem. 60 Minuten lang hatte ihre HSG Blomberg-Lippe alles versucht, doch am Ende stand eine 32:35-Niederlage. Der Traum vom ersten Pokalsieg seit 2018 platzte im zweiten Halbfinale des Haushahn Final4 – und das, obwohl die Lipperinnen erst in der Schlussphase auf sieben Angreiferinnen umstellten und bis auf zwei Tore herankamen.
Kurioses bild: dortmund liest blomberg wie ein offenes buch
Die BVB-Damen erwischten einen Start nach Maß. „Wir wussten, dass sie früh mit dem Kreis arbeiten wollen“, sagte Kelly Vollebregt, die mit fünf Treffern zur besten Werferin des Spiels avancierte. „Also haben wir die Mittelblocker früh hochgezogen und den Rückraum zugestellt.“ Das Ergebnis war ein 17:15-Pausenvorsprung, der sich bis zur 50. Minute auf 30:23 ausbaute. Blomberg wirkte wie gelähmt. „Am Anfang war alles ein bisschen statisch“, gestand Kühne. „Wenn wir mit ein paar Kreuzungen auch mal aus dem Rückraum schießen, wissen die vielleicht auch nicht, ob sie hoch stehen oder flach bleiben sollen.“
Doch Dortmund las jeden Pass, jede Rotation. Die Deckung stand wie eine Wand, Keeperin Meike Schmelzer parierte 13 Schüsse – ein Viertel aller Versuche der Lipperinnen. „Wir haben uns viel vorgenommen, wir waren eigentlich super vorbereitet“, sagte Kühne. „Ich kann es nicht sagen, warum uns dann diese ein oder zwei Prozent gefehlt haben.“

Der fan-motor: 3.000 bvb-anhänger erzeugten 100 dezibel
Was die Statistik nicht erfasst: die schiere Wucht der Dortmenden Fans. 3.000 Schwarzgelbe verwandelten die Porsche-Arena in eine Kesselkulisse. „Das hilft schon“, sagte Vollebregt mit einem Grinsen. „Wenn du müde bist und plötzlich 100 Dezibel im Rücken hast, läufst du noch mal schneller.“ Die Niederländerin selbst schien unermüdlich. Jeden zweiten Ballgewinn konterte sie mit einem Tempogegenstoß, bis Blomberg ihre Abwehrformation komplett umstellte.
Die Lipperinnen kamen noch auf 30:32, doch Dortmunds Linksaußen Mia Zschocke nutzte eine Zeitstrafe gegen Annika Holler und netzte zum 33:30 ein. Vollebregt verwandelte den letzten Siebenmeter – 35:32. Endstand.

Vollebregt will alte rechnung begleichen
Nun wartet im Finale die HSG Bensheim/Auerbach, die nur 24 Stunden zuvor Thüringer HC mit 29:27 bezwang. Die Südhessinnen sind das einzige Team, das Dortmund in dieser Saison schon schlagen konnte – 27:25 im November. „Ich glaube, wir haben da noch was gutzumachen“, sagte Vollebregt. „Dafür ist morgen ein richtiger Zeitpunkt.“
Für Kühne und Blomberg bleibt das Trostspiel um Platz drei. „Wir werden nicht den Kopf hängen lassen“, sagte die 21-jährige Rückraumspielerin. „Aber heute Nacht wird es trotzdem schwer einzuschlafen.“
