Doping-tabula rasa: martin schulz kassiert nachträglich paralympics-silber

Ein Laborwert rückt Martin Schulz fast zwei Jahre nach dem Rennen um eine Medaille nach vorn. Der 29-jährige Para-Triathlet aus dem Team Deutschland erhält für seinen dritten Platz von Paris 2024 nachträglich Silber, weil der Brasilianer Ronan Nunes Cordeiro wegen 19-Norandrosteron retrograd disqualifiziert wurde.

Cordeiros einspruch bleibt erfolglos

Das unabhängige IPC-Anti-Doping-Tribunal bestätigte am 28. Januar 2026 die Anklage des Internationalen Paralympischen Komitees. Das anabole Steroid war bei einer In-Competition-Kontrolle vom 2. September 2024 nachweisbar. Cordeiro legte Berufung ein, doch die Kammer winkte ab. Sein Ergebnis ist damit annulliert, über eine mögliche Sperre entscheidet jetzt World Triathlon.

Für Schulz ändert sich auf dem Papier wenig – außer der Farbe des Metalls. Der gebürtige Essener hatte Bronze in 58:47 Minuten über die 750 m Schwimmen, 20 km Rad und 5 km Lauf in der Klasse PTS5 gefeiert. Nun steht er hinter dem Brithen George Peasgood und vor dem Spanier Jairo Ruiz López.

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Deutscher Behindertensport-Bund und DOSB kommentierten die Nachmeldung mit „Respekt vor dem sauberen Sport“. Dopingsünder würden „das Fairplay der Leistungssportler unterminieren“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Schulz selbst äußerte sich bisher nicht öffentlich, bleibt aber in der Weltranglisten-Spitze der PTS5 vertreten.

Die nachträgliche Medaillen-Umverteilung ist kein Einzelfall. Seit Tokio 2021 wurden bereits acht Para-Triathlon-Ergebnisse korrigiert, vier durch positive Tests, vier durch Klassifizierungsrückstellungen. Die Zahlen zeigen: Auch im Parasport wird die Chemie nicht klein geschrieben.

Die Silbermedaille wird Schulz bei einer Feierstunde des Deutschen Olympischen Sportbundes im Mai in Frankfurt überreicht – mit Verspätung, aber mit makellosem Wert.