Donati kehrt zurück: neuer ansatz im trainingssystem – und schwazer im fokus
Rom – Der legendäre Sandro Donati, einst scharfer Kritiker des italienischen SportSystems, präsentiert sein neues Buch „Anders trainieren – Für einen gesunden und leistungsstarken Sport“ und deutet ein überraschendes Comeback an. Doch der Fall Alex Schwazer wirft weiterhin einen langen Schatten.
Ein umdenken im trainingsverständnis
Donati, der seine Karriere der Bekämpfung von Doping verschrieben hat, vollzieht eine bemerkenswerte Kehrtwende. Statt weiter auf die Schwächen des Systems hinzuweisen, möchte er nun selbst aktiv werden und seine Vision eines modernen, flexiblen Trainingsansatzes umsetzen. Sein Buch, entstanden in Zusammenarbeit mit Francesco Marcello, plädiert für eine Abkehr von veralteten, starren Methoden, die er als „ex-sowjetisch“ kritisiert. Es geht darum, das Training an die individuellen Bedürfnisse und die dynamischen Bedingungen im Sport anzupassen – insbesondere in Mannschafts- und Gegnersportarten wie Tennis.
„Die Spielsituationen sind einzigartig, wie die Kinder eines jeden Spielers“, erklärt Donati, in Anlehnung an die Worte von Gianfranco Zola, der ebenfalls ein Kapitel im Buch beisteuert. „Jede Bewegung ist anders, unvorhersehbar.“ Die Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes unterstreicht Donati, wobei er dem italienischen Olympischen Komitee (CONI) eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung sieht. „Nur ein polisportives Gremium wie der CONI kann eine solche Veränderung wirklich bewirken und die kleineren Sportarten schützen.“

Der bittere nachgeschmack des schwazer-falls
Doch die Freude über Donatis neues Engagement wird von der anhaltenden Tragödie des Falls Alex Schwazer getrübt. Der ehemalige Weltklasse-Geher, der von Donati einst trainiert wurde, sieht sich weiterhin ungerecht behandelt. „Ich kann nicht mehr über Alex reden!“, gestand Donati sichtlich bewegt auf der Buchvorstellung. „Es war eine absurde, niederträchtige Sache. Alex hat nicht nachgegeben, wir haben gekämpft! Mit 42 Jahren wollte er in Rio um die Medaille marschieren, aber ihm wurde alles genommen.“
Donati spricht von einer „Vigliaccata“ – einer feigen Tat, die das System zur Rechenschaft ziehen müsse. Er betont, dass für den Erfolg in Ausdauersportarten ein außergewöhnliches Talent erforderlich sei: „Wenn das Talent nur durchschnittlich ist, dann ist es wirklich schwer, ohne unlautere Mittel zu bestehen.“ Auch das Anti-Doping-System selbst sieht Donati kritisch: „Es ist alles andere als ein Märchen. Es gibt immer noch Substanzen, die nicht nachweisbar sind, und die Transparenz der Statistiken und der therapeutischen Ausnahmen hat abgenommen.“
Die Zukunft des Sports erfordert einen positiven Blick nach vorn, geprägt von neuen Trainingsmethoden und einem unerschütterlichen Glauben an die Integrität der Athleten. Und während Donati seine Rückkehr in den sportlichen Betrieb feiert, bleibt die Frage nach der Wahrheit im Fall Schwazer ein offenes Wundenbild.
