Dominik prokop: vom österreichischen nachwuchsstar zum zeljeznicar-visionär
- Dominik prokop: vom österreichischen nachwuchsstar zum zeljeznicar-visionär
- Erste eindrücke in sarajevo
- Der weg nach sarajevo
- Die überzeugung durch zeljeznicar
- Ein vertrautes gesicht: muharem huskovic
- 20 Öfb-legionäre im ausland
- Sprachliche herausforderungen und die bedeutung von ivica osim
- Zeljeznicars vergangenheit und zukunftsperspektiven
- Ziele und erwartungen für die saison
- Lob für ermin bicakcic und einschätzung zur liga
- Trainer stojanovic und die bosnische liga
- Rückblick auf hartberg und die zukunft
Dominik prokop: vom österreichischen nachwuchsstar zum zeljeznicar-visionär
Als er im Alter von 17 Jahren sein Debüt für die Austria gab, lag Sarajevo noch nicht in den Fußballträumen von Dominik Prokop. Doch der technisch versierte Mittelfeldspieler jagt nun bei Zeljeznicar Sarajevo Visionen, anstatt in Hartberg zweite Bälle zu verfolgen, wie er im kicker-Interview offenbart. Sein Debüt im Pokal krönte er gleich mit einem Treffer.
Erste eindrücke in sarajevo
FK Zeljeznicar, Herr Prokop, Sie haben Ihre ersten Spiele für Ihren neuen Klub hinter sich. Wie lief es? Im Pokal konnte ich beim Sieg gegen einen Zweitligisten direkt treffen, das war ein guter erster Schritt. Der Ligastart verlief allerdings mit einer 0:3-Niederlage gegen Prijedor katastrophal. Es schien, als hätten wir alles wieder verloren, was wir zuvor aufgebaut hatten.

Der weg nach sarajevo
Wie hat es Sie überhaupt nach Sarajevo verschlagen? Bisher gab es in der Premijer Liga hauptsächlich Österreicher mit bosnischen Wurzeln. Der Kontakt kam schnell zustande, wie genau Zeljeznicar auf mich aufmerksam wurde, kann ich nicht sagen. Meine Situation in Hartberg war jedoch anders als erwartet. Im Winter stand ich vor der Entscheidung, entweder sofort zu gehen oder bis zum Sommer abzuwarten, um ablösefrei zu sein. Eine Vertragsverlängerung unter diesen Umständen kam für mich nicht in Frage.

Die überzeugung durch zeljeznicar
Ich wollte jedoch nicht einfach nur unzufrieden weggehen, sondern zu einem Verein wechseln, der an mich glaubt und klare Ziele und Visionen hat. Zeljeznicar wollte mich unbedingt und hat mir seine Pläne aufgezeigt, wie der Klub wieder an die Spitze zurückkehren will. Die Winterverpflichtungen von Spielern wie Bicakcic, Bojan Nastic, Pejic und Muki Huskovic zeigen, dass der Klub wieder voll angreifen will – auch wenn der Start holprig war.

Ein vertrautes gesicht: muharem huskovic
Hat die Tatsache, dass mit Muharem Huskovic ein ehemaliger Hartberg-Kollege ebenfalls bei den “Plavi” gelandet ist, eine Rolle gespielt? Nein, ich wusste noch gar nicht, dass Muki auch im Gespräch war, als ich unterschrieben habe. Das erfuhr ich erst ein paar Tage später. Es ist natürlich angenehm, jemanden zu haben, den man bereits kennt. Ich kannte ihn sogar schon ein bisschen von der Austria, obwohl er deutlich jünger ist. Wir haben in Hartberg zusammen gespielt und seitdem weiß ich, dass er ein super Typ ist.

20 Öfb-legionäre im ausland
Haben Sie mit Pejic bereits über das Wiener Derby gesprochen? Wir haben Aleksa am nächsten Tag mit “Forza Viola” begrüßt. Natürlich haben wir darüber gesprochen, es gab einiges zu besprechen. Und für mich war es um einiges erfreulicher als für ihn.

Sprachliche herausforderungen und die bedeutung von ivica osim
Wie ist es, sich mit der fremden Sprache zurechtzufinden? Hilft da Ihre kurze Station in Gorica? Ich spreche die Sprache mittlerweile recht fließend, aber weniger wegen Gorica, sondern weil meine Oma Burgenland-Kroatin aus der Nähe von Oberpullendorf ist. Deshalb hatte ich immer eine Verbindung zu dieser Sprache, auch wenn ich sie erst später und nicht gleich als Kind gelernt habe. Der Name Ivica Osim ist bei “Zeljo” noch sehr präsent. Die Adresse des Klubs ist Bulevar Ivice Osima, vor dem Stadion gibt es ein riesiges Osim-Porträt und auch im Spielertunnel hängen ein Zitat und ein Porträt von ihm. Er ist eine Legende hier und immer noch der Stolz des Klubs.

Zeljeznicars vergangenheit und zukunftsperspektiven
Der Klub hat allerdings schon bessere Zeiten gesehen. Er erinnert mich an die Austria und Rapid - ein Hauptstadtklub und ehemaliger Rekordmeister mit großen Zielen, dem in den letzten Jahren Zrinjski und Borac Banja Luka den Rang abgelaufen sind. Der letzte Titel stammt aus dem Jahr 2018, der letzte Meistertitel war 2013. Mir war Zeljeznicar natürlich ein Begriff, aber dass der Klub so groß ist, war mir gar nicht bewusst. Es gibt Leute, die behaupten, dass es der Klub mit den meisten Zuschauern auf dem Balkan ist, was ich aber nicht überprüfen kann.
Ziele und erwartungen für die saison
Wir sind aktuell Sechster, was ist denn das Ziel des Klubs? Ein Europacup-Startplatz ist noch realistisch? Die Ansprüche sind hoch, aber mit dem Meistertitel haben wir als Tabellensechster in dieser Saison nichts mehr zu tun. Ziel war eigentlich, Dritter zu werden. Das könnte sich mit unseren Verstärkungen noch ausgehen, auch wenn wir nach dem Fehlstart schon zehn Punkte Rückstand auf den Dritten haben. Eine weitere Europacup-Chance ist der Cup, in dem wir jetzt im Viertelfinale stehen. Aber der Fokus liegt jetzt darauf, die Krise zu beenden und die Rückrunde gut zu beenden.
Lob für ermin bicakcic und einschätzung zur liga
Ermin Bicakcic strahlt viel Erfahrung aus. Er ist erst vor wenigen Tagen dazugestoßen, aber ein Spieler wie er ist natürlich eine Bereicherung. Er hat bei Hoffenheim über 150 Bundesliga-Spiele gemacht, war im Nationalteam und hat bei einer WM gespielt. Er hat reichlich Erfahrung und eine Präsenz, die uns in den ersten Spielen vielleicht noch gefehlt hat. Ich bin ein Spieler, der den Ball gerne am Fuß hat, der kurz-kurz spielen will und am liebsten das Spiel von hinten aufbaut. Der Trainer hatte allerdings andere Ideen.
Trainer stojanovic und die bosnische liga
Was sind Ihre bisherigen Eindrücke von Trainer und Liga? Trainer Slavisa Stojanovic hat nicht umsonst schon einige große Erfolge eingefahren. Er war Meister mit Roter Stern und zuvor auch schon in Slowenien. Er weiß, was er will und ist klar in seiner Idee. Über die Liga kann ich noch nicht viel sagen. Was ich bisher gesehen habe, gibt es in jedem Verein gute Spieler, was auf dem Balkan nicht verwunderlich ist. Die Liga ist in den letzten Jahren viel besser geworden. Es gibt einige prominente Spieler hier wie Adem Ljajic bei unserem Stadtrivalen, der lange in Italien bei Fiorentina, Roma und Inter gespielt hat. Und wie gut das bosnische Nationalteam ist, haben wir ja in der WM-Qualifikation gesehen.
Rückblick auf hartberg und die zukunft
War es das schnelle Umschaltspiel von Manfred Schmid, das Ihnen in Hartberg nicht behagte? Ich war unter Markus Schopp Stammspieler und war deshalb mit meiner Situation nicht zufrieden. Ich habe nicht ganz ins System von Manfred Schmid gepasst. Ich bin froh, dass ich jetzt diese Lösung gefunden habe. Was trauen Sie Ihren Ex-Kollegen noch zu? Hartberg ist mit zwei Remis gestartet, von denen ich allerdings nur die Highlights gesehen habe. Es ist noch alles möglich, aber die Liga ist extrem eng. Ich habe viele Freunde dort und wünsche ihnen nur das Beste. Sie haben gezeigt, dass sie mit ihrer unangenehmen Art Fußball zu spielen, jedem Gegner wehtun können. Von daher ist es ihnen schon zuzutrauen, dass sie es in die Top sechs schaffen.
Sie sind bei der Austria vielversprechend in Ihre Profikarriere gestartet. Seither ist nicht alles nach Wunsch verlaufen, wie sieht Ihr Zwischenfazit aus? Fußball ist meine Leidenschaft seit ich denken kann. Ich muss zugeben, dass ich nicht geglaubt habe, dass ich einmal in der dritten Liga in Deutschland, in Hartberg oder jetzt in Bosnien spielen werde. Als ich als junger Spieler bei der Austria herausgekommen bin, hatte ich andere Ziele. Aber es ist so gelaufen, wie es gelaufen ist. Ich bin dankbar für die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, für die Menschen, die ich kennengelernt habe. Ich habe schon einiges erlebt, aber ich kann mich in den Spiegel schauen, weil ich immer mein Bestes gegeben habe. Der Weg ist das Ziel. Deshalb bin ich gespannt, wie es noch weitergeht. Und ja, ich kann mir vorstellen, dass ich es noch ein paar Jahre weitermache. Was soll ich sagen, Fußball ist noch immer meine Leidenschaft. Ich lieb’s einfach.
