Dirk schlünz übernimmt dsm: der mann, der künftig das deutsche haus steuert
Claudia Wagner geht, Dirk Schlünz kommt – und mit ihm rückt ein Mann an die Spitze der Deutschen Sport Marketing (DSM), der den Markenraum Sport neu vermessen will. Ab 1. Juli übernimmt der 54-Jährige die Geschäftsführung der Vermarktungsagentur von DOSB und DBS, wie die DSM am Freitag offiziell bestätigte. Ein Wechsel, der mehr ist als ein Personalpoker: Er markiert das Ende der Ära Wagner und den Beginn eines strategischen Neustarts, der die Olympischen und Paralympischen Spiele im Blick hat.
Wagner verlässt dsm nach 14 jahren – und zieht in die motorsport-welt ab
Claudia Wagner, die DSM-Geschäftsführerin seit 2011, wechselt zum 1. April zu ADAC Motorsport. 14 Jahre lang hat sie die Vermarktungsrechte des deutschen Sports gebindelt, die olympische und paralympische Infrastruktur modernisiert und Großveranstaltungen wie Tokio 2020 oder Paris 2024 wirtschaftlich abgesichert. Nun übernimmt sie bei Deutschlands größtem Automobilclub die strategische Leitung des Motorsportgeschäfts – ein Schritt, der Branchenkenner nicht überrascht: „Claudia kennt die Logik von Hochleistungssport und Medienbusiness wie kaum jemand“, sagt ein Insider. „Für sie war der Abschied kein Ausstieg, sondern ein Upgrade.“
Bis Schlünz sein Büro im Frankfurter Ostend bezieht, führt Christian Ernst die Geschäfte. Der Prokurist und Head of Partner Management galt intern schon lange als heimlicher COO – nun wird er sichtbar. „Wir sind bestens aufgestellt für die Übergangsphase“, heißt es aus DSM-Kreisen. Dennoch: Die Führungsriege weiß, dass die nächsten 100 Tage wegweisend sind. Denn die nächste Olympiade rückt näher – und mit ihr die Frage, wie sich das Deutsche Haus in Los Angeles 2028 ökonomisch und kulturell positioniert.

Fcn-manager wird sport-markenchef: schlünz bringt club-kultur ins olympiabusiness
Dirk Schlünz kommt nicht aus dem Nichts. Seit 2021 verantwortet er als Leiter Marketing & Vermarktung die Marke 1. FC Nürnberg – und hat den Traditionsclub in eine neue Kommerzzeit geführt: Digitalfonds, NFT-Kooperationen, ein erweitertes Partnernetzwerk. Zuvor drei Jahre bei St. Pauli, wo er das Millerntor-Stadion zum Lab für nachhaltige Fanprodukte machte. Nun springt er auf ein größeres Spielfeld. „Olympische Spiele sind das größte Live-Event der Welt“, sagt Schlünz im Gespräch mit der TSV Pelkum Sportwelt. „Ich will das Deutsche Haus nicht nur organisieren – ich will es erlebbar machen, für Partner, für Fans, für die Athleten.“
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die DSM verwaltet Rechte an über 50 Nationalmannschaften, 4.000 Vereinen und mehr als 20 Millionen Lizenzsportlern. Der jährliche Vermarktungsvolumen liegt laut Branchenschätzungen bei rund 150 Millionen Euro. Schlünz muss diese Maschine am Laufen halten – und gleichzeitig umbauen. Denn die jüngsten TV-Rechteverhandlungen zeigen: Die Markenbindung wandert weg vom klassischen Lineartv, hin zu Streaming, Social Commerce und hybriden Eventformen. „Wer heute nur noch Werbefläche verkauft, hat verloren“, so ein DSM-Partner. „Dirk versteht, dass Marken Storys brauchen, nicht nur Sichtbarkeit.“
Der Countdown läuft. Noch 465 Tage bis Los Angeles. Und Schlünz hat schon angekündigt, dass er seine ersten 100 Tage nutzen will, um „Partner-Kooperationen radikal zu digitalisieren“. Ein Satz, der in der Agenturwelt wie ein Startschuss klingt. Denn wenn das Deutsche Haus 2028 öffnet, wird es nicht nur um Logistik gehen – sondern darum, ob der deutsche Sport seine emotionale DNA auch in neuen Medienwelten erzählen kann. Schlünz’ Antritt ist kein Routinewechsel. Er ist eine Kampfansage an den internationalen Wettbewerb – und ein Versprechen an die Sportfans: Das deutsche Team wird sichtbarer, greifbarer, digitaler. Die Ära Wagner endet mit Applaus. Die Ära Schlünz beginnt mit Anspruch. Und sie beginnt jetzt.
