Diggia rast acosta in letzter kurve nieder – sein jubel trifft den murcianer ins herz

Fabio Di Giannantonio hat in Le Mans nicht nur den vierten Platz geklaut, er hat auch Pedro Acosta die Show gestohlen. Im Auspuff der letzten Runde schob der Italiener seine Ducati des VR46-Teams in die innere Linie von Turn 14, trat danach auf die Bremse, dass die Carbon-Scheiben schrien – und schaute zurück. Ein Blick, der Acosta wie ein Splitter unter die Haut fuhr.

Adelantamiento en la curva 14: «inventa, inventa, inventa»

«Ich musste improvisieren», lachte Di Giannantonio später, noch mit Helmkamera-Grinsen im Gesicht. «In Runde acht vorher bin ich schlecht rausgekommen, da war klar: Entweder jetzt oder nie.» Der Vorstoß erinnerte ihn an seinen Moto3-Coup gegen Bezzecchi 2018 – selbe Kurve, selber Risikofaktor. Der Unterschied: Diesmal hatte er 160 kW unter dem Hintern und einen Gegner, der normalerweise keine Gnade kennt.

Acosta konterte sauer: «Wenn du jemanden in 280 km/h überholst, schaust du nicht zurück. Das ist Respektlosigkeit.» Der 20-Jährige wollte sich sogar bei der FIM melden, ließ es dann aber bleiben – Stichwort Teamchef-Karatsche.

Der blick zurück war programm, nicht provokation

Der blick zurück war programm, nicht provokation

Diggia dazu ungerührt: «Ich musste prüfen, ob er außen noch dran hängt. Bei 70 Grad Schräglage siehst du im Rückspiegel nichts.» Der Römer nimmt sich den Sieg in der kleinen Schlacht mit Stolz: «Großer Heckschritt mit der GP24, das ist kein Kindergeburtstag. Du kommst mit Massen an Geschwindigkeit, musst präzise auf die 200-Meter-Bremspunkt-Linie treffen und dir gleichzeitig ausrechnen, ob der andere dir die Vorderachse wegnimmt.»

Die Zahlen sprechen für ihn: 0,071 Sekunden Vorsprung auf Acosta, 0,9 Sekunden Rückstand auf den Podestplatz – und die beste Schlussrunde des gesamten Feldes.

Acosta bleibt „nur“ ein rivale – nicht das wunderkind

Acosta bleibt „nur“ ein rivale – nicht das wunderkind

Fragt man Di Giannantonio, ist der Hype um den Spanier übertrieben. «Klar, er ist schnell. Aber auf der Strecke zählt kein Pass, kein Alter, keine Instagram-Follower.« Für ihn ist Acosta »einer von zwölf, die dich wegrutschen können, wenn du schläfst«. Mehr nicht.

Die Meisterschaft? Die sieht nach dem Frankreich-Weekend so aus: Jorge Martín führt mit 129 Punkten, Acosta kratzt mit 84 an der Top-5, Diggia sammelt mit 49 Punkten Selbstvertrauen für die Saisonmitte. Die echte Wertung aber steht kurz vor dem Mugello-Grand-Prix – und dort hat Di Giannantonio Heimspiel.

Er will mehr als ein Hauch von Podest. Und er weiß: Wer in der letzten Kurve von Le Mans gewinnt, kann auch in Scarperia das Rennen seines Lebens fahren. Acosta wird sich das Video wohl noch öfter ansehen müssen.