Díaz-rullo schickt spaniens ersten 9c-fels: café colombia ist gerissen
Jorge Díaz-Rullo hat Margalef am 13. März um 19:45 Uhr verlassen – mit zitternden Unterarmen und dem ersten spanischen 9c in der Tasche. Café Colombia ist gerissen, nach 240 Tagen Projektzeit, vier Jahren Planung und einem Kraftakt, der selbst ihn an die Grenze des Messbaren führt.
Warum der madrilene trotzdem zweifelt
„Mein Bauchgefühl schreit 9c+, mein Verstand hält sich an 9c“, sagt Díaz-Rullo im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Er hat Zahlen gewälzt, mit Darth Grader gerechnet, die Route in Mikrosegmente zerlegt – und trotzdem das Grading auf das zurückgenommen, was er kennen kann. „Ich kenne kein 9c+, ich kenne nicht einmal ein echtes 9c/+. Also bleibe ich ehrlich und nenne es 9c.“
Die Rechnung: 45 Bewegungen auf monomolekularen Tritten, zwei V11-Bouldersequenzen, ein V13-Finish und eine Kletterzeit von sieben Minuten, in denen die Haut dünner wird als das Seil. Díaz-Rullo musste 17 Mikrotritte erneuern, weil das Schiefergestein in Margalef so scharf schneidet, dass sich die Sohle nach zwei Durchstiegen auflöst. „Wenn du nach dem dritten Tag blutende Finger bekommst, aber weißt, dass du mindestens 15 brauchst, fängt die Psychospirale an“, sagt er.

Die 9c-frage bleibt offen
Weltweit tragen nur vier Routen das Etikett 9c: Adam Ondras Silence in Flatanger, Seb Boullins DNA in den Gorges du Verdon, Jakob Schuberts B.I.G. – ebenfalls in Norwegen – und Sean Baileys Duality of Man in Arizona. Keine wurde wiederholt, keine ist offiziell bestätigt. Díaz-Rullo weiß, dass seine Café Colombia nun in dieselbe Grube fällt. „Ich werde die Zweifel behalten, bis jemand anders die Route wiederholt und mir ins Gesicht lacht: Das ist keine 9c, das ist 9b+.“
Die Zahl, die bleibt: 102 Routen im neunten Grad stehen in seinem Logbuch, darunter acht 9b, zwei 9b/b+, zwei 9b+. Kein anderer Spanier ist auch nur in die Nähe dieses Outputs gekommen. „Ich habe keine Wahl“, scherzt er. „Wenn ich nicht projektiere, drehe ich durch.“
Margalef wird wieder ruhiger. Die Kreide ist abgeklopft, die Magnesiablasen eingestampft. Doch die Nachricht reist schneller als ein Camalot: Spanien hat sein erstes 9c, und Díaz-Rullo hat endlich wieder Zeit, um an der nächsten Wand zu zweifeln.
