Di canio startet fair-play-tour: 20.000 kinder lernen resilienz im pentathlon
Am Freitag rollt der erste Schulbus nach Benevento – und mit ihm Paolo Di Canio, FIFA-Fair-Play-Preisträger von 2001, der sich künftig nicht mehr für Ultras, sondern für Grundschüler begeistert. Die italienische Modern-Pentathlon-Föderation (FIPM) schickt ihn als Aushängeschild von „Ready to Play“, einem Straßen- und Klassenzimmerprogramm, das Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die fünf Disziplinen des Fünfkampfs spielerisch nahebringt – und dabei Fairness und Durchhaltevermögen stärker gewichtet als Sekunden oder Punkte.
Die Tour beginnt am 20. März in zwei Beneventaner Grundschulen, am Samstag verwandelt sich die Piazza Cardinal Pacca in ein offenes Sportdorf mit Laserschießen, Mini-Barrieren-Bahn, Luftgewehr, Schwimmbecken aus Pappkartons und einem Show-Florett auf Gummiunterlage. „Wir wollen keine neuen Profis, sondern neue Teamgeister“, sagt FIPM-Präsident Luciano Barisone. Die Zahlen sind bereits jetzt eindrucksvoll: 40 Städte, 220 Schulen, rund 20.000 Teilnehmer bis Juni.
Warum ausgerechnet der ehemalige ultra-führer di canio?
Di Canio war 1998 weines Lazio-Rom-Fans wegen römischen Grußes suspendiert, später gestand er, sich politisch neu positioniert zu haben. Seit 2001 engagiert er sich für Fair Play, 2019 besuchte er erstmals ein Pentathlon-Trainingslager in Formia und blieb fasziniert: „Diese Sportart zwingt dich, fünfmal umzudenken – das ist Leben in Miniatur.“ Für die Tour absolvierte er jetzt ein eigenes Trainerzertifikat in der Disziplin Schwimmen, „damit keiner sagen kann, ich sei nur das Gesicht“.
Die Serie wird von der Sportministerialinitiative „Sport e Periferie“ mit 1,2 Mio. Euro gefördert – ein Sümmchen, das sich aber laut Ministry-Sportdirektor Matteo Bianchi „verdoppeln wird, wenn die Resilienz-Quote steigt“. Gemeint ist: messbar weniger Schulverweigerung und Gewaltfälle in den Teilnehmerkommunen. Erste Pilotdaten aus Neapel zeigen nach zwei Jahren Pentathlon-AG einen Rückgang von Gewaltausbrüchen um 14 %.

Campanie als testlabor – deutschland soll folgen
Die Region Kampanien gilt als Brennpunkt frührechter Fan-Gruppierungen; genau deshalb startet das Programm hier. „Wenn das Modell funktioniert, wo Hooligans sonst die Straßen bestimmen, funktioniert es überall“, sagt Daniela Scalia, Soziologin der Universität Lecce, die die Evaluierung begleitet. 2026 will die Europäische Union das Format auf Deutschland, Spanien und Polen ausdehnen – mit Berlin-Neukölln und Gelsenkirchen als ersten deutschen Stationen.
Nach den Stationen in Süditalien geht es im Mai nach Turin und Palermo, im Juni nach Mailand. Wer sich einbringen will, muss keine Sportkarriere vorweisen – nur Mitmachbereitschaft. Die Anmeldung läuft über die FIPM-Webseite, eine digitale Warteliste ist bereits auf knapp 3.000 Lehrkräfte angewachsen.
Di Canio selbst wird an jedem Auftaktort persönlich ein „Resilienz-Training“ leiten: 45 Minuten, keine Medaillen, aber eine rote Karte für alle, die betrügen. Seine Devise: „Wenn Kinder lernen, dass man auch nach einer Niederlage wieder auf die Matte kommt, verstehen sie später, dass man nach einem Rassismus-Skandal wieder ins Stadion kommt – aber nur, wenn man sich verändert.“ Die Zahlen sind klein, die Message groß: Sport als Korrektiv, nicht als Kulisse.
