Dhb-damen feiern em-ticket mit wikingerhut und massenkuss
Heidelberg war Samstagabend kein Ort, es war ein Vulkan. 33:18 gegen Slowenien, 3791 Zuschauer, ein EM-Ticket in der Tasche – und dann das: Lorenz Büffel, Schlagerbarde mit Wikingerhut, entfacht den „Baila Baila“-Tsunami. Die deutschen Handballerinnen verwandelten die SAP Arena in eine einzige Basstour, Minuten nach Abpfiff.
Katharina filter: „das ist der lohn für 200 tacken schweiß“
Torhüterin Katharina Filter trägt noch die „schnelle Brille“, diese schwarz-rote Ski-Goggle, die sie sich nach dem WM-Silber gönnte. Jetzt tanzt sie damit, als wäre es ein Trophäen-Accessoire. „Die Emotionen kochen wieder hoch, als wäre gestern erst Doha gewesen“, sagt sie, während sie einem Mädchen ein Autogramm auf die Stirn schreibt. Das Kind lächelt, die Mutter weint. Filter lacht, wischt die Tränen weg. „Dafür machen wir das. Punkt.“
Die Zahlen sind brutal: 15 Tore Differenz, 18:8 zur Pause, 13 verschiedene Torschützinnen. Antje Döll führt das Team wie ein Konzertmeister, wirft vier Tore, assistiert sieben Mal. Neben ihr läuft Nieke Kühne auf, packt sich den Wikingerhut von Büffel, der sich als Überraschungsgast hatte einfliegen lassen. „Wir wussten von nichts“, sagt Kühner später, „aber als der Beat droppte, war klar: Jetzt wird gefeiert, bis der Hallenboden glüht.“
Markus gaugisch: „frauenhandball ist kein nischenthema mehr“
Bundestrainer Markus Gaugisch steht mitten auf dem Court, umringt von Kindern, die seine Handtuch-Signatur wollen. Er spricht nicht von Taktik, sondern von Zahlen. „Vor zwei Jahren haben wir hier vor 1000 Leuten gespielt. Heute sind es fast 3800, und die Halle kocht.“ Dann der Satz, der ihm morgen in jeder Sportzeitung stehen wird: „Wenn das der neue Normalzustand ist, brauchen wir bald eine zweite Liga in Fußballstadien.“
Die EM im Dezember ist bereits gebucht, aber das Team will mehr. „Wir haben Silber geholt, jetzt wollen wir den Anschlag“, sagt Döll. Sie meint Gold, klar. Die Gegner wissen Bescheid: Deutschland ist kein Geheimtipp mehr, es ist ein Favorit, der mit TikTok-Dances und Massenküssen die Seele der Fans klaut.
Um 23:07 Urt verlässt Filter die Halle als Letzte. Sie trägt zwei Tüten voller Wimpel, ein Kind schläft an ihrer Schulter. „Morgen ist Training“, sagt sie, „aber heute tanzen wir.“ Dann verschwindet sie im Dunkeln, begleitet von 3791 glühenden Herzen. Der Vulkan ruht – bis zum nächsten Mal.
