Dfl blockiert sicherheits-kompromiss – länder drohen mit kahlschlag

Die Sportministerkonferenz hat die Deutsche Fußball Liga an den Pranger gestellt. Nach monatelangen Verhandlungen über eine neue Stadionverbots-Richtlinie wirft die Politik der DFL vor, den Konsens mit einem letzten Beschluss zu torpedieren. Hamburg Sportsenator Andy Grote spricht offen von einem Kipppunkt.

Warum die länder jetzt auf konfrontation gehen

Die Szenerie auf Norderney glich einer Intervention. Seit Wochen hatten Arbeitsgruppen aus Fan-Vertretern, Sicherheitsbehörden und Ligamanagern an einem neuen Katalog für Stadionverbote gefeilt. Das Ziel: weniger Pyrotechnik, weniger Gewalt, weniger Hochrisikospiele – und damit weniger Polizei-Aufwand. Doch am Freitag rollte Grote die Drohung aus: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir sagen müssen: So geht es nicht weiter.“

Der Grund ist ein interner DFL-Vorstandsbeschluss, der Details der geplanten Richtlinie nach Informationen der SID kippt. Konkret geht es um die Frage, wer künftig über Ausgangsdaten von Täter:innen verfügt – und wie schnell diese Daten zwischen Verein, Staatsanwaltschaft und Fan-Hilfen fließen. Die Länder fordern ein zentrales Melderegister; die Liga will die Daten dezentral bei den Klubs belassen. Ein scheinbar technisches Detail, das in der Konferenz zum politischen K.o.-Kriterium wurde.

„Wir wollen das wort hochrisikospiel verschwinden lassen“

„Wir wollen das wort hochrisikospiel verschwinden lassen“

Sachsens Sportminister Armin Schuster rechnete vor, was das Hickhack kostet: 2000 zusätzliche Beamt:innen allein bei Dynamo-Spielen in der laufenden Saison, 1,3 Millionen Euro Einsatzkosten pro Hochrisikospiel – bezahlt aus Landeshaushalten. „Wir können uns das in der aktuellen Sicherheitslage nicht leisten“, sagte er und ließ keinen Zweifel: „Wenn die DFL blockiert, werden wir die Kosten den Vereinen aufbrummen.“

Baden-Württembergs Ministerin Theresia Schopper stützt den Vorstoß. Sie versprach der Innenministerkonferenz „volle Rückendeckung“ und schaltete sogar nach: „Wir lassen uns das Fußballerlebnis von ein paar Hooligans nicht kaputt machen.“ Klingt nach Wahlkampf, ist aber realistisch. Denn die Länder haben eine Druckwaffe: Ohne neue Richtlinie droht ein Bündel von Polizei-Vorgaben, das Vereine in die Pflicht nimmt – von Videoüberwachung bis Tunneldurchsuchungen.

Dfl schweigt – fans wittern machtkampf

Dfl schweigt – fans wittern machtkampf

Die Liga hält sich bedeckt. Ein Sprecher verwies auf laufende Gespräche, Details nannte er nicht. Fan-Hilfen indes kritisieren „Geheimverhandlungen“ und fürchten ein „Totalverbot light“. Ihr Vorwurf: Die Politik missbraucht den Sicherheitsdiskurs, um Pyrotechnik und Choreografien generell zu kriminalisieren. Die nächste Runde findet am 4. April statt – dann in der DFL-Zentrale Frankfurt. Bis dahin will die SMK ein Ultimatum auf den Tisch legen: Entweder Einigung – oder die Länder treiben ihre eigene Richtlinie durch, inklusive Polizei-Kosten-Umlage.

Die Wette gilt: Wenn sich bis dahin nicht bewegt, stehen Klubs wie Dortmund, Leipzig oder Frankfurt plötzlich mit Millionen-Lasten da. Die Fans planen bereits Protest-Choreos. Und die Politik? Die wartet ab, bis der erste Klub zahlt. Dann ist Schluss mit diskutieren.