Dfb und fbl einigen sich – frauen-bundesliga bekommt eigene dfl-struktur

Der lange Gezerre ist vorbei. Nach einem halben Jahr intensiver Pokerunden unterzeichneten DFB und Frauen-Bundesliga-Ligaverband am Sonntagnachmittag in Mainz den Grundlagenvertrag, der die höchste deutsche Spielklasse ab Juli 2027 in die Selbstverwaltung überführt. Der Deal kippt die Machtverhältnisse, verpflichtet aber beide Seiten auf Jahrzehnte.

Joint-venture-pläne beerdigt – pachtmodell siegt

Die 14 Erstligisten hatten sich ursprünglich eine gemeinsame DFB-FBL-Tochtergesellschaft gewünscht, um endlich auf Augenhöhe mit der DFL zu operieren. Doch nach Streit um Vetorechte und Geschäftsführung stoppte die FBL im Februar das Projekt. Der nun präsentierte Vertragspacht-Vertrag für sieben Jahre gleicht stattdessen dem Modell der Männer: Der FBL erhält das operative Ruder, der DFB behält das Eigentum an der Spielklasse und sichert sich finanzielle Gegenleistungen. 100 Millionen Euro hatte der DFB-Bundestag bereits im Dezember für die Förderung von Frauenfußball und Schiedsrichterstrukturen locker gemacht – ein Betrag, den Bernd Neuendorf trotz der Neuordnung „vollständig einlösen“ will.

Die Übergangssaison 2026/27 soll alle technischen Details klären: TV-Produktion, Ticketing-Plattformen, Sponsoring-Pakete. Bereits ab dem vierten Vertragsjahr fließt eine variable Ticketabgabe direkt an die Landesverbände, die ihrerseits Nachwuchsleistungszentren ausbauen müssen. „Klarheit ist der Turbo für die Vermarktung“, sagte DFB-Generalsekretär Holger Blask und spielte auf die bevorstehenden Medienrechteverhandlungen ab 2028 an.

Machtfrage beantwortet – geldfrage offen

Machtfrage beantwortet – geldfrage offen

Die 14 Klubchefs reisen erleichtert nach Hause. Die Pachtzahlung des FBL an den DFB bleibt zunächst vertraulich, doch Insider sprechen von einer steigenden Staffel, die sich an den TV-Einnahmen orientiert. Der DFB übernimmt weiter die Kosten für Nationalmannschafts-Abstellungen und die Lizenzierung der Schiedsrichterinnen. Der FBL wiederum darf künftig eigene Kooperationspartner akquirieren und die Spieltage flexibel legen – ein Vorteil, den die Männer seit 2001 nutzen.

Formell muss ein außerordentlicher DFB-Bundestag im Herbst noch zustimmen. Realisten halten das für Formsache: Selbst die traditionell kritischen Amateurverbände haben signalisiert, das Solidarmodell nicht zu torpedieren. Schließlich profitieren sie direkt von den Finanzflüssen. Die Wunde des gescheiterten Joint Ventures ist zugenäht, das FBL-Logo wird ab 2027 auf jedem Spielfeld prangen. Der deutsche Frauenfußball bekommt endlich eine eigene Stimme – und die klingt lauter als je zuvor.