Dfb rollt den plan für die neue regionalliga: vier ligen, zwei modelle, ein großer streit

Die Aufstiegsreform 2025 steht kurz vor dem Ziel. Ab 2028 sollen nur noch vier statt fünf Regionalligen existieren – und die Meister der Staffeln steigen fix in die 3. Liga auf. Doch die Frage, wie genau die neue Landkarte aussehen soll, spaltet die Verbände. Zwischen Kompasssystem und Regionenmodell liegt ein tiefer Graben.

Die Arbeitsgruppe des DFB hat am Mittwoch die Weichen gestellt. Den fünf Landesverbänden liegen zwei Szenarien vor, die bis Ende April abgestimmt werden. Dahinter steckt ein simpler Gedanke: weniger Ligen, mehr Professionalität. Die Zahl der Vereine schrumpft von 90 auf 80, die Staffelgröße soll stabil bleiben, die Reisekosten sinken. Doch die Teufelei steckt im Detail.

Das kompassmodell: ki schreibt die landkarte neu

Ein Algorithmus bestimmt, wer mit wem spielt. Nicht Geografie, sondern Entfernung ist das Kriterium. Viktoria Aschaffenburg könnte plötzlich in der West-Staffel landen, der FC Carl Zeiss Jena im Norden. Die Ligen verschieben sich jährlich – flexibel, aber auch planungsunsicher. Die Mehrheit der Klubebenen bevorzugt diesen Ansatz, weil er Busfahrten unter drei Stunden verspricht und die Fanfreundschaften fördert. Kritiker fürchten ein Franchise-Light-System, in dem Tradition gegen Effizienz getauscht wird.

Das regionenmodell: alte grenzen, neue namen

Das regionenmodell: alte grenzen, neue namen

Hier bleibt das Papierkarten-Denken bestehen. Nord, Nordost und Bayern fusionieren zu zwei Staffeln, West und Südwest überleben unverändert. Die Regionalliga Nordost würde zerschlagen, ihre Vereine auf die Nachbarligen verteilt. Für Berliner, Brandenburger und Sachsen-Anhaltiner bedeutet das längere Trips nach Bayern oder Niedersachsen. Der Vorteil: Konstante Strukturen, einfachere Staffelleitung, keine Überraschungen im Kalender. Der Nachteil: Geografie als Gefängnis.

Beide Modelle haben denselben Endpunkt: vier Aufsteiger, keine Rotationswildcard mehr, keine Relegation gegen den Vierten. Die 3. Liga bekommt frischen Wind – und die Regionalliga verliert ihre chaotische Seele.

Qualifikation 2027/28: zehn vereine müssen runter

Qualifikation 2027/28: zehn vereine müssen runter

Die Saison 2027/28 wird zur Vorsortierung. Tabellenplatz 15 und schlechter bedeutet: Abstieg zur Oberliga. Für Traditionsklubs wie den 1. FC Magdeburg II oder VfB Lübeck wird es eng. Die Lizenzauflagen verschärfen sich parallel: Finanzierungsnachweise, Stadionvorgaben, Nachwuchsleistungszentren. Der DFB will Profi-Strukturen – und schafft damit bei manchem Amateurclub Existenzangst.

Die Stimmen sind laut, die Fronten verhärtet. Bayern und Südwest pochen auf Kompass, Nordost und Nord halten an den Regionen fest. Die Präsidentenkonferenz im Mai entscheidet – mit zwei Drittel-Mehrheit. Wer blockiert, riskiert den Zorn der 3.-Liga-Klubs, die seit Jahren für eine Entlastung kämpfen.

Fakt ist: 2028 wird die Regionalliga nicht mehr dieselbe sein. Ob Algorithmus oder Atlas – der Fußball unterhalb der 3. Liga rüstet sich für eine Zukunft, in der Nähe Trumpf ist und jeder Meister sicher aufsteigt. Die Frage ist nur, wer die Rechnung zahlt – und wer auf der Strecke bleibt.