Deutschlands letzter kugel-coup: aicher jagt shiffrin bis zum finale
Die Wintersport-Saison 2025/26 schlägt ein letztes Mal auf, und drei deutsche Athleten haben den Blick auf die Kristallkugel noch nicht abgewandt. Emma Aicher liegt im Gesamtweltcup nur 45 Punkte hinter Mikaela Shiffrin, Leon Ulbricht reist mit einem winzigen Punkt Vorsprung ins Snowboardcross-Finale – und Daniela Maier braucht im Skicross ein Wunder. Die Chancen? Realistisch, dünn, nahezu unmöglich. Doch alle drei starten, weil Sport nun mal die Geschichten schreibt, die man vorher nicht für möglich hält.
Aichers angriff: vom nachwuchs zur nervensäge für shiffrin
Die 22-jährige Emma Aicher ist längst kein Geheimtipp mehr. Drei Weltcup-Siege, viermal Slalom-Podest, erst knapp verpasste Riesenslalom-Premiere in Are – das ist kein Punktesammeln mehr, das ist ein Statement. Ihr Vorteil: Sie fährt alles. Shiffrin dagegen strich die Abfahrt, witterte im Slalom und Riesenslalom ihre Chance. Die Rechnung: zwei Rennen, 45 Punkte, keine Versicherung. Aicher selbst sagt vor dem Finale in Méribel: „Ich fahre, um zu gewinnen, nicht um zu rechnen.“ Das klingt nach Kampf statt Kalkül – und genau das macht sie gefährlich.
Die Niederlage gegen Laura Pirovano im Abfahrtsgesamtwertung schmerzt, aber sie befreit. Jetzt konzentriert sich Aicher aufs Gesamtklassement. Shiffrin muss ran, Aicher kann lauern. Ein Slalom-Aus reicht, und die Deutsche liegt vorne. „Manchmal reicht ein Fehler von jemand anderem“, sagt Aicher mit einem Lächeln, das so gar nicht nach Underdog klingt.

Ulbrichts one-point-rodeo
Leon Ulbricht trägt Gelb, aber keine Krone. 21 Jahre alt, drei Podestserie, ein Punkt Vorsprung – das ist keine Komfortzone, das ist ein Seilakt. Sein größter Konkurrent Aidan Chollet kennt die kanadischen Buckelpisten ebenso gut wie der Australier Adam Lambert, der mit 42 Punkten Rückstand immer noch dran ist. Ulbrichts Taktik: „Vollgas, aber mit Köpfchen.“ Das klingt nach einem Satz, der schon mal in einem Sportfilm fällt – und genau da liegt die Chance. Snowboardcross ist kein Zeitfahren, es ist ein Glücksfall mit Startnummer. Ein Sturz reicht, um die Kugel zu kippen.

Maier und die 175-punkte-hürde
Daniela Maier bräuchte zwei Siege plus ein Wunder. 175 Punkte Rückstand auf Sandra Näslund bedeuten: Die Schwedin müsste zweimal ausschalten, Maier zweimal gewinnen. Die Realität: Näslund gewann acht von zehn Rennen diese Saison. Maier sagt trotzdem: „Ich fahre, bis der Zielstrich da ist.“ Das ist keine Hoffnung, das ist Profi-Selbstverständnis. 2019/20 stand sie selbst oben – und weiß, wie schnell sich Blätter drehen können.
Die Bilanz bleibt hart: In Biathlon verpasste Franziska Preuß die Top Ten, bei den Skispringern reicht Olympia-Gold für Philipp Raimund nur zu Platz fünf, und Nathalie Armbruster liegt 470 Punkte zurück. Doch genau deshalb sind die verbliebenen Chancen so kostbar. Drei Athleten, drei Kugeln, drei Tage. Wer zuletzt lacht, trägt Kristall – und vielleicht die deutsche Farbe.
