Deutschlands handball-frauen jagen die perfekte quali – nordmazedonien droht die nächste klatsche

Skopje, 18 Uhr, 34:18 steht noch auf den Anzeigetafeln – und genau diese Demütigung wollen die deutschen Handball-Frauen heute Abend wiederholen. Die Quali ist längst gelaufen, doch Markus Gaugisch und seine Auswahl streben nach dem Mythos der weißen Weste: vier Spiele, vier Siege, 127:75 Tore. Die Rechnung ist einfach: gewinnen in Skopje, gewinnen gegen Belgien – dann reist niemand mit mehr Punkten zur Endrunde im Dezember.

Kader-rochade trotz rotation

Die Personaldecke wird dünner. Sarah Wachter, Annika Lott und Marlene Tucholke bleiben zu Hause, dafür schnüren Katharina Filter und Lena Degenhardt erstmals in dieser Quali die Nationalstiefel. Besonders spannend: Alina Grijseels rückt vor – ursprünglich war die Dortmunderin nur für Belgien eingeplant. Gaugisch schickt eine Mischung aus Routine und U19-Frische: Chiara Rohr, Jana Walther und Aylin Bornhardt gewannen 2025 den Juniorentitel, nun sollen sie den Tempogegenstoß der A-Nationalmannnung entfachen.

Antje Döll lacht, als sie nach „Spannung“ gefragt wird: „Wir wollen zwei souveräne Auftritte, dann können wir den Winter in Ruhe angehen.“ Die Kapitänin weiß, dass die Sloweninnen im März mit 23:30 nur deshalb beinahe gefährlich wurden, weil Deutschland nach der Pause das Tempo drosselte. Gegen Nordmazedonien will die Rückraum-Motorik keine Minute nachlassen – schließlich wartet mit Belgien am Sonntag schon der nächste vermeintliche Leerlauf.

Die em wartet mit rekord-format

Die em wartet mit rekord-format

Zum ersten Mal findet die Europameisterschaft in fünf Ländern statt: Slowakei, Tschechien, Polen, Rumänien, Türkei – ein Logistik-Marathon, der die Handball-Familie quer durch den Kontinent zerrt. Für die DHB-Auswahl bedeutet das: Gruppenphase vermutlich in Bratislava, danach möglicherweise Flüge nach Ankara oder Krakau. Je besser die Setzposition, desto kürzer die Reisestrecken. Deshalb zählt jeder Torunterschied, deshalb will Gaugisch auch gegen die Macedonians nichts anbrennen lassen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 18,5 Tore Durchschnittsabstand in den bisherigen Quali-Spielen, 71 Prozent erfolgreiche Angriffe, 38 Fast-break-Tore – nur Norwegen und Frankreich liegen in diesen Kategorien noch vor den Deutschen. Sollte die Serie halten, wäre Deutschland Top-Favorit auf die EM-Gruppenauslosung – und könnte im Halbfinale erstmals seit 2018 wieder eine Medaille greifen.

Skopje ist also kein Schaulaufen, sondern ein Statement. 60 Minuten Druck, 60 Minuten Lauf, 60 Minuten Demut gegen den Ball. Dann fliegt die Mannschaft nach Hause – und weiß: Die weiße Weste passt auch im Winter.