Deutschland zieht gegen italien: em-quali bringt alte rivalität zurück

Die Kugel rollte, die Fahnen flatterten – und schon stand der erste Kracher fest: Deutschland trifft in der Qualifikation zur Handball-EM 2028 auf Italien. Die Auslosung in Lissabon versiegelte ein Wiedersehen, das in der Erinnerung der Fans noch frisch ist – und das niemand bestellt hatte.

Warum diese gruppe trotzdem gefährlich ist

Die Zahlen täuschen. Belgiens „Red Wolves“ haben sich in den letzten zwölf Monaten vom Außenseiter zum Angstgegner gemausert, die Slowakei liefert in der Rückrunde eine Heimquote von 73 % und Italien? Die Squadra Azzurra holte in der Nations-League-Phase mehr Punkte als Deutschland. Die Gruppe 7 ist kein Schongang, sondern ein Minenfeld.

Alfred Gislason wird die Videoschnitte liegen lassen. Sein Blick fällt sofort auf den doppelten Italien-Knüppel: Hinspiel in Mailand, Rückspiel in Leipzig – beide Termine liegen innerhalb von 48 Stunden nach Bundesliga-Spieltagen. Ein Kraftakt, der die Tiefe des Kaders testet. „Wir brauchen 18 Mann, nicht elf“, murrte der Bundestrainer nach der Ziehung. Kein Kommentar, nur Feststellung.

Politik mischt sich ins Spiel. Serbien darf nicht gegen Kosovo antreten, die EHF schob den Kosovo in Gruppe 4 – und verfrachtete die Serben ins Nachbarboot nach Island. Dort wartet mit Estland ein Geheimfavorit auf den Aufstieg. Die Balkan-Regel kostet zwei Teams bereits vor dem ersten Wurf Punkte. Wer sich beschwert, bekommt Gelb.

Die termine, die den somabruch bringen können

Die termine, die den somabruch bringen können

Der Mai 2027 wird zum Schaltjahr der Handballer. Zwischen dem 5. und 9. Mai absolvieren die DHB-Kader drei Spiele in 96 Stunden – eine Belastung, wie sie selbst in der Bundesliga Seltenheitswert hat. Die Clubs zittern um ihre Stars, die Liga droht mit Spielverlegungen. Die Lösung: ein 26-Mann-Aufgebot plus Taxi-Truppe. Kostenseite: rund 380 000 Euro. Die Zahl kommt aus dem Haushalt, der noch gar nicht verabschiedet ist.

Österreich sieht sich dagegen mit Norwegen konfrontiert – und mit der Erinnerung an das 22:26 vom Vorjahr. Georgien hat in den letzten fünf Spielen nie weniger als 25 Tore geworfen, die Türkei spielt seit 2024 mit einem Import-Trio aus Bundesliga-Stars. Gruppe 2 ist die neue Todesgruppe, auch wenn das keiner so nennt.

Am Ende bleibt eine einfache Rechnung: 20 Plätze, 32 Bewerber, null Gnade. Wer in Lissabon lachte, war Dänemark – der amtierende Europameister darf zuschauen. Wer nicht lachte: Deutschland. Weil alte Gegner zurückkehren und neue Kalender lügen. Die Qualifikation beginnt am 4. November 2026. Bis dahin sind es 704 Tage. Genug Zeit, um sich auf Italien vorzubereiten – oder um sich neue Sorgen zu suchen.