Deutschland verabschiedet sich mit fahnenträgern aus cortina – und blickt auf ein deutsches paralympics-desaster

Andrea Rothfuss und Christian Schmiedt trugen die Schwarz-Rot-Gold-Fahne ins Curling-Stadion – ein symbolischer Akt, der die leise Niederlage Deutschlands bei den Paralympics 2026 in Cortina d’Ampezzo beschwört. 17 Medaillen, Platz elf im Ranking – das ist der schlechteste Platz seit 20 Jahren. Doch niemand sprach von Blamage. Stattdessen: Solidarität, Protest, Wetterchaos und ein Blick nach Frankreich 2030.

Rothfuss und schmiedt: fahnen, keine fakten

Die Wahl der Fahnenträger war Programm. Rothfuss, Ski-Alpin-Legende mit fünf Paralympics hinter sich, und Schmiedt, Snowboarder mit Hang zur Show, standen stellvertretend für ein Team, das in der Breite solide, an der Spitze aber längst nicht mehr konkurrenzfähig ist. Anna-Lena Forster rettete mit drei Medaillen die deutsche Statistik, doch dahinter wird es dünn. Kein deutscher Biathlet schaffte es aufs Podest, im Langlauf fehlte die Endgeschwindigkeit, im Eishockey schied die DEB-Auswahl im Viertelfinale aus.

Die Abschlussfeier selbst war kurz, emotionsarm und politisch aufgeladen. Die Ukraine blieb der Zeremonie fern, Litauen solidarisierte sich, Russland durfte trotz IOC-Bedingungen starten – ein Spagat, der in der Arena kaum jemanden kümmerte. Denn das Wetter hatte bereits vorab die Stimmung gedämpft: Plusgrade, Regen statt Schnee, ein Winterspiel im T-Shirt.

Medaillenspiegel lügen nicht – und doch wird gewarnt

Medaillenspiegel lügen nicht – und doch wird gewarnt

Der Deutsche Behindertensportverband sprach von „weiterhin hohem Niveau“ und „Nachwuchsarbeit“, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2018 noch 19 Medaillen, 2022 noch 18, jetzt 17. Der Trend zeigt nach unten. Dabei flossen 14 Millionen Euro Fördergeld in die Vorbereitung, mehr als je zuvor. Die Konkurrenz schläft nicht: China dominierte erneut mit 62 Medaillen, die USA holten 36, selbst kleine Nationen wie die Ukraine schafften Sprünge nach vorn.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Technologie und Talent reichen nicht, wenn die Systemfrage offen bleibt. Wer will in vier Jahren in den französischen Alpen angreifen? Wer setzt auf Nachwuchs statt auf Altstars? Die Flamme in Cortina ist erloschen, doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Frankreich wartet – und die Konkurrenz auch.