Deutsche curling-asse jagen olympia-folge mit altem team
Die deutschen Herren haben in Ogden kein Startproblem, sie haben ein Startverbot. 14 Stunden nach dem ersten Stein gegen die USA rollt schon der zweite gegen Tschechien – und keiner der vier Jungs von Marc Muskatewitz will schlafen, sondern siegen.
Die WM in Utah ist fünf Wochen nach Peking kein Neuanfang, sondern ein Weiterspielen. Gleiche Besetzung, gleiche Zielgerade: mindestens Halbfinale. Die Konkurrenz dagegen mischt kräftig durch. Kanada tauscht den Skip, Schweden den Lead, Norwegen fast das ganze Haus. Deutschland? Hält zusammen. „Das ist sicher kein Nachteil für uns“, sagt Benjamin Kapp, und klingt dabei, als hätte er schon die Playoffs im Blick.
Uli kapp schickt seinen neffen auf eisjagd
Trainer Uli Kapp, 90er-Vizeweltmeister, sitzt wieder oben auf der Tribüne der 2002er-Olympiahalle. Er schreit keine Formeln, er schickt Signale. Seine Neffen Benjamin und die Jungs verstehen sich blind. Die Satzfrequenz ist hoch, die Seitenwahl sitzt, und die Take-out-Quote lag zuletzt bei 92 Prozent – Olympia-Niveau.
Doch die Bilanz seit Peking nagt. Platz sieben in China, Platz acht vor Jahresfrist, nur 2024 klappte Rang fünf. Die Steine liegen scharf, die Nerven auch. „Wir wissen, dass wir mehr können als Achter“, sagt Muskatewitz und meint: Wir wollen Edelmetall, nicht Edelstein.

48 Stunden, die über die saison entscheiden
Freitag 2.00 Uhr MEZ gegen die USA, Samstag 16.00 Uhr gegen Tschechien – das Programm ist ein Kraftakt. In beiden Partien geht es nicht nur um Punkte, sondern um die frühe Gruppenführung. Die beiden besten Teams sparen sich das Playoff-Feuer, die Plätze drei bis sechs müssen zweimal haften. Deutschland will direkt durch die Vorderseite, nicht durch die Hintertür.
Das Finale ist am 4. April. Wer bis dahin durchhält, spielt 13 Spiele in neun Tagen. „Das geht an die Substanz“, sagt Uli Kapp, „aber sie sind körperlich alle topfit.“ Die Jungs trainieren seit Mitte März auf Hochseehöhe in Oberhof, Laktattests, Ausdauerblock, mentales Coaching. Das Einzige, was fehlt, ist ein Match, das zählt. Jetzt kommen zwei auf einen Streich.
Die Logik ist simpel: Wer in Ogden unter die ersten sechs rutscht, sichert sich Weltranglistenpunkte für die Qualifikation 2026. Wer verpasst, muss im Herbst erneut ran. Deutschland will im Frühjahr alles klären. Dann kann der Sommer kommen – und die Vorfreude auf Mailand 2026.
