Derbi-mammut: 120 jahre real gegen atlético – ein krieg, der madrid atmen lässt

Heute Nacht kocht das Estadio Santiago Bernabéu wieder. Drittes Madrider Duell dieser Saison, 234. Pflichtspiel-Duelle insgesamt – und kein Ende in Sicht. Der Stadt rivale ist Programm, das Stadtgedächtnis.

Der erste treffer war baskisch

Luis Marín schoss ihn am 24. Februar 1929. 0:1 für Atlético, 0:2 durch Triana, danach weißes Madrid. Beide hatten beide Trikots schon getragen, Courtois und Llorente wären ihnen im WhatsApp-Gruppenchat willkommen. Der Ball rollt, die Liste der Verräter wächst.

Die Zahlen sind ein Epos: 535 Liga-Treffer, 21 rote Karten, ein einziger Abstieg (Atlético 2000), aber keine Pause. 1904 wurde gestritten, 1909 wieder versöhnt – Gran Vida druckte die Friedenserklärung. Dazwischen Bürgerkrieg, Diktatur, Galácticos, Cholismo, VAR. Der Gegner wechselt, der Hass bleibt.

Spartaner mit baskenmütze

Spartaner mit baskenmütze

Marín spielte mit 36 noch wie mit 26. Seine Erklärung klingt wie ein Fitness-Coach vor 100 Jahren: Kein Alkohol, viel Wasser, früher ins Bett. Die Boina war keine Modewahl, sondern Tarnkappe gegen die Glatze. Er starb 1974, das erste Tor seiner Karriere ist immer noch das erste Tor der Serie.

Heute verdienen die Profis in einer Woche, was er nie im Leben sah – bis auf jene 20.000 Pesetas beim Wechsel nach Granada. Trotzdem blieb er ein Leben lang rojiblanco. „Lo único que siento es no haberlas hecho en Madrid y en el Atlético“, sagte er im Interview. Der Klub schenkte ihm 1955 ein Benefizspiel gegen Zarra. 3:2, natürlich.

Die Stadt atmet beide Farben ein. Wer um 21.00 Uhr durch die Gran Vía läuft, hört zwei Radiosender gleichzeitig. Die weiße Marsch, die rote Hymne. Der Sieg heute zähht nur drei Punkte, aber er reicht, um Familien zu spalten und Stammtische zu verfeinden. Madrid ohne Derbi wäre ein Körper ohne Herzklopfen.

535 Tore sind geschossen, das 536. folgt heute. Marín würde applaudieren – mit Boina und ohne Jubel. Der Krieg geht weiter, und das ist gut so.