Denis wicki verabschiedet sich: schweizer frauen-team verliert seinen mentor
Denis Wicki ist weg. Nach 18 Jahren, drei Olympia-Teilnahmen und unzähligen Weltcup-Siegen verlässt der Walliser den Schweizer Skizirkus – und hinterlässt eine Lücke, die grösser ist als nur eine Stelle im Trainerstab.

Camille rast trauert um ihren «seelen-verbindungsmann»
Slalom-Star Camille Rast spricht nicht von «Arbeit», wenn sie an Wicki denkt. Für sie war er der Typ, der um 23.00 Uhr noch mal die Stangen rückte, damit sie eine Extra-Serie drehen konnte – und dann lachte, als sie trotzdem hinfuhr. «Er hat mir beigebracht, dass Perfektion nichts wert ist ohne Spielfreude», sagt sie. Die beiden entwickelten ein Ritual: Nach jedem Rennen schrieben sie auf einen Zettel, was schiefging – und warum es trotzdem okay war. Die Zettel stecken heute in einem alten Wachskarton im Servicewagen. «Ich werde sie wohl nie wegwerfen», sagt Rast.
Wicki selbst nimzt den Abschied mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiss, dass manche Dinge einfach Zeit haben. «Ich habe 80 Prozent meines Lebens in Hotels verbracht», sagt er. «Jetzt will ich wissen, wie mein Garten im Frühling riecht.» Die Entscheidung fiel bereits im Mai, doch Wicki schwieg – aus Rücksicht auf das Team. «Man kann nicht mitten im Sommertraining auf einmal sagen: Tschüss, macht’s gut.» Also fuhr er noch einmal nach Neuseeland, noch einmal auf den Gletscher, noch einmal die Koffer gepackt. Sein letzter Blick galt dem Sonnenaufgang über dem Mount Hutt. «Da habe ich gemerkt: Es ist genug.»
Swiss-Ski reagiert betont sachlich. «Wir danken Denis für seine Leistung und wünschen ihm alles Gute», heisst es in einer dreizeiligen Meldung. Hinter den Kulissen aber arbeitet Sportchef Walter hoch bereits an der Nachfolge. Intern kursieren drei Namen – darinnen jener einer ehemaligen deutschen Slalom-Weltmeisterin. Offiziell will sich hoch nicht äussern. «Wir schauen erst einmal, was der Markt hergibt», sagt er. Die Suche wird eng: Die neue Kraft muss mit den Athletinnen kommunizieren können, das Material verstehen und vor allem: die Balance zwischen Leistung und Lebensfreude beherrschen – so wie Wicki.
Für Rast beginnt am Montag ein neues Kapitel. Ohne Wicki. «Ich werde versuchen, seine Stimme in meinem Kopf zu behalten», sagt sie. «Aber ich weiss auch: Irgendwann wird sie leiser.» Die Athletin hat sich vorgenommen, beim ersten Saisonrennen in Levi einen zusätzlichen Schwung in die Zielgerade zu nehmen – «für Denis». Danach wird sie den alten Wachskarton öffnen. Die Zettel sind gelb geworden. Die Nachricht darauf bleibt: «Scheitern ist erlaubt – aufhören nicht.»
