Andresen schlägt milan im sprint und feiert tirreno-triumph
221 Kilometer Regen, 15 Grad und ein Windschatten, der Geschichte schreibt. Tobias Lund Andresen riss sich in Magliano de’ Marsi die erste WorldTour-Saison-Niederlage von Jonathan Milan und schob sich mit einer Radlänge an die Spitze von Tirreno-Adriatico.
Ein tag, der wie ein training wirkt – bis die 250 meter kommen
Die Fahrer quälten sich über die Hügel von Cortona, doch das Peloton blieb in Deckung. Keine Attacke hielt länger als drei Kilometer, kein Nieselregen reichte, um die Beine warm zu halten. Die echten 200 Kilometer wurden in den letzten 60 Sekunden gefahren. Decathlon-AG2R kettete sich an die Spitze, Lotto und Alpecin jagten hinterher, und plötzlich zog Milan durch die Mitte – zu früh.
Andresen wartete. Er wartete, bis Milans Schnellfeuer versiegte, bis dessen Hinterrad nach links ausbrach und die Lücke offenstand. Dann schlug er zu. 76 km/h, Spur eins, keine Gegenwehr mehr. Arnaud De Lie und Jasper Philipsen kamen noch heran, aber nur, um die Staubwolke zu atmen.

Deutschland bleibt außen vor – und das ist kein zufall
John Degenkolb schob sich auf Platz 112, Georg Zimmermann folgte als 126. Beide sahen nur Rücklichter. Die deutschen Sprinterteams schwören auf die Tour, nicht auf Tirreno. Wer hier nicht trainiert, verpasst den Rhythmus – und das zeigt sich seit Jahren. Die Statistik: kein Bundesdeutscher hat Tirreno seit 2014 gewonnen, und die Lücke wird größer.
Isaac del Toro verteidigte das Azurre Trikot, vier Sekunden Vorsprung auf Giulio Pellizzari. Der Mexikaner fühlt sich pudelwohl, doch die Blick richten sich schon auf Milano-Sanremo. Dort wird er für Tadej Pogacar die Schanze marshieren, nicht für sich. Bis dahin aber zählt nur eine Frage: Wer stoppt Andresen? Drei Siege in fünf Tagen lassen Raum für Spekulationen – und für kalte Beine der Konkurrenz.
Donnerstag geht’s nach Martinsicuro, 213 Kilometer, windanfällige Küste. Wenn es wieder regnet, wird niemand mehr den Sprint früh eröffnen wollen. Und wenn die Sonne scheint, wartet hinter der letzten Kurve ein dänischer Schatten.
