Dembélé schaukelt psg zum double und lacht die wm-angst weg

Paris. 22:14 Uhr. Ousmane Dembélé schleicht gebückt über den Rasen, seine rechte Hand klammert sich an die Wade. 80.000 Zuschauer im Stade de France halten den Atem an. Zwölf Tage vor der WM in Nordamerika droht Frankreich die Horror-Szene: der Ballon-d’Or-Gewinner verletzt – im Triumphmoment der Pariser.

Muskelkrampf statt muskelriss

Doch schon 120 Sekunden später lacht der Weltfußballer in die Kamera von Canal+. „Nur Krämpfe, ich bin topfit“, sagt er, zwickt sich demonstrativ ins rechte Bein und grinst, als wolle er die ganze Nation gleichzeitig beruhigen und verspotten. Die medizinische Schnelluntersuchung im Mixed Zone bestätigt: kein Strukturschaden. Für Didier Deschamps bleibt die Startelf intakt, für Dembélé bleibt die Nacht zum Feiern.

Elfer, handgelenk, hollywood-tor

Elfer, handgelenk, hollywood-tor

Davor hatte der 27-Jährige schon wieder Geschichte geschrieben. Nach Kai Havertz’ traumhaftem Distanzschlenzer in der 6. Minute war PSG dem drohenden 0:1-Frust ausgeliefert. Bis zur 65. Minute. Dembélé sprintt in den Strafraum, wird leicht berührt – fällt theatralisch, aber den Regeln entsprechend. Er selbst tritt an, verlädt Ramsdale, trifft flach rechts unten. Der Ausgleich, der Arsenal die Seele nagelt. Die Partei kippt.

Knie zittern, nerven fliegen

Knie zittern, nerven fliegen

In der Verlängerung geht nichts mehr. Die Spieler waten durch Sommertemperaturen von 26 Grad plus Spätabendfeuchtigkeit. Erneut Dembélé: diesmal der langsame Gang zur Seitenlinie, das Gesicht verzerrt. Coach Luis Enrique wirft reflexartig Bradley Barcola in die Partie. Die Uhr tickt Richtung Elfmeterschießen. Dort tritt niemand mehr an, der nicht WM-Plan hat: Mbappé, Fabián Ruiz, Zaire-Emery, Vitinha – allesamt in den letzten USA-Fliegern gebucht.

Am Ende jubelt Paris erneut. 4:3 aus dem Punkt, zweiter Titel in Serie, vierter Champions-League-Triumph insgesamt. Die Spieler tragen Dembélé auf Händen, der sich mit der rechten Hand demonstrativ die Mal die Wade, Mal die Stirn. Symbolik pur: Kopf und Bein gehören zusammen – und beide halten.

Frankreich reist mit turbo

Frankreich reist mit turbo

Mit diesem Schwung fliegt Les Bleus in die WM-Vorbereitung. Dienstag Einheit in Clairefontaine, Samstag Flug nach New York. Dort wartet das Eröffnungsspiel gegen Kamerun. Dembélé selbst sieht keine Bremsspur: „Wir haben jetzt zwei Wochen, um die Beine wiederzubekommen. Und dann geht’s gegen die Welt.“ Frankreich hat den besten Werfer, die beste Moral – und jetzt auch wieder die Ruhe.