Delow entzaubert rostock: albas 21-punkte-wahnsinn in 48 minuten
Malte Delow warf den Ball nach oben, sah ihn durch die Luft segeln und wusste: Dieser Korb schlägt ein. 27 Punkte, ein Karriereabend, und doch war seine wichtigste Zahl die 21 – genau so viel holte Alba Berlin gegen Rostock Seawolves in einem Spiel auf, das längst als verloren galt.
Die Merkursporthalle tobte. 21 Punkte Rückstand, 32:51, zweites Viertel. Dann schaltete Delow einen Gang hoch, den selbst seine Mitspieler so nicht kannten. Dreier, Steal, Assist, Dreier – 14 Punkte in Serie, alles aus seiner Hand. „Ich habe nur gedacht: Wir können nicht so enden, nicht nach Athen, nicht vor diesen Leuten“, sagte er nach dem 89:85.
Rostock erwischt den besseren start
Die Seawolves trafen ihre ersten drei Dreier, zogen auf 23:12 davon und ließen Albas Defense wie ein offenes Tor wirken. Rebounds? Fehlanzeige. Zweite Würfe? Drei, vier, fünf für Rostock. Berlin wirkte benommen, als hätten die Gäste den Zeitplan um eine Stunde vorverlegt.
Doch der Schein trügt. Alba-Coach Israel Gonzalez wechselte früh, stellte auf Zone um, nahm Rostock den Rhythmus. Die Pause kam zur rechten Zeit. „Wir haben gesagt: Wir spielen jetzt 20 Minuten Basketball, oder wir bekommen eine Standpauke für die Geschichtsbücher“, verriet Kapitän Louis Olinde.

Delow liefert die antwort
Der 24-Jährige hatte in Athen noch 0/5 aus dem Feld getroffen. Gegen Rostock startete er mit einem Miss, dann fiel der Korb, und es floss. 8/12 FG, 5/7 Dreier, dazu vier Ballgewinne. Mit 79:79 war es Delow, der zum 81:79 traf – erstmals Führung. 96 Sekunden später stand er an der Linie, verwandelte beide Freiwürfe, 85:83. Die Halle explodierte.
Norris Agbakoko unterstützte mit 18 Punkten, aber die Nacht gehörte Delow. „Er hat uns auf dem Parkour mitgenommen, wie ein Marathonläufer, der auf Kilometer 35 noch mal sprintet“, sagte Gonzalez.
Alba bleibt Tabellenzweiter, zwei Punkte hinter Bayern, aber die Moral ist mehr wert als ein Spielplan. Nach der Champions-League-Blamage ein 21-Punkte-Comeback – so schnell kann Stimmung kippen in der BBL. Für Rostock bleibt die Erkenntnis: Auch eine heiße Hand reicht nicht, wenn der Gegner ein Feuer wird.
Am Freitag geht’s nach Ulm. Delow wird wieder starten, und wer weiß: Vielleicht braucht er diesmal nur zehn Punkte Rückstand, um die Arena zum Toben zu bringen.
