Davos schreibt playoff-geschichte: 117 punkte schlagen berns herz
Die Bündner haben nicht nur einen Rekord gebrochen – sie haben die Machtverhältnisse in der Schweizer Eishockey-National League verschoben. Mit 117 Zähler-Punkten jagt der HC Davos als Qualifikations-Sieger in die Playoffs und verdrängt den SC Bern aus dem Podest der Drei-Punkte-Ära. Die Zahl ist Programm: 49 Punkte Vorsprung auf die Berner, 57 auf Tabellenprimus EV Zug, aber nur eine Botschaft: Das Davos der Josh-Holden-Ära ist keine Fata Morgana mehr.
Rekord mit vorgeschichte
Die Saison 2010/11 galt bisher als unantastbar. 113 Punkte, Vereinsbestmarke, danach zehn Jahre Leere. Nun knacken die Bündner ihre eigene Decke – und das, obwohl sie 2020/21 noch 57 Punkte hinter dem EV Zug lagen. Die Lücke schrumpft, das Selbstbewusstsein wächst. Die ZSC Lions, einst lightyears entfernt, folgen als nächste auf 21 Punkte Rückstand. Die Liga bebt.
Die Statistik lügt nicht: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 2006/07 haben 20 Saisons stattgefunden. Nur der EV Zug (119, 2020/21) war besser. Davos springt von Rang fünf auf drei, Bern rutscht auf Platz vier ab. Ironie der Geschichte: Der SCB besitzt die meisten 100-Punkte-Saisons (sechs), muss sich nun aber mit Rang vier begnügen. Die Dominanz der Berner endet – zumindest auf dem Papier.

Der quotient lügt nie
Sortiert man die Tabelle nach Punktequotient, rückt Lausanne HC dicht an Ambri-Piotta und Biel heran. Der Aufsteiger von 2012 hätte bei gleicher Spielanzahl Ambri und Gotteron längst überholt. Die Biancoblu führen zwar noch 106 Punkte Vorsprung, aber die Tendenz ist klar: Das Mittelfeld rüttelt an der alten Ordnung. Fribourg und Lugano trennen nur 16 Zähler, doch die Freiburger haben die Tessiner in fünf der letzten sechs Saisons hinter sich gelassen. Tradition zählt – bis sie bröckelt.
Unten bahnt sich ein Machtwechsel an: Rapperswil-Jona liegt nur noch sieben Punkte hinter den SCL Tigers und hat allein in dieser Saison 17 Punkte aufgeholt. Die Rosenstädter schnüffeln am Klassenerhalt, die Tigers stolpern. Die Playoff-Luft wird dünner – für alle.
Für Davos ist die Botschaft einfach: Rekorde sind schön, aber der Cup zählt. Die 117 Punkte sind kein Ziel, sondern Startnummer. Bern wird sich wehren, Zug auch. Aber die Bündner haben das Tempo vorgegeben – und die Liga wird ihnen folgen müssen.