Dauser schlägt zurück: straubenhardts 64:11-kantersieg mit olympiasilber in neuer mission
64:11 – die Zahlen wirken wie ein Tippfehler, doch sie stehen für den größten Ligaauftaktsieg der KTV Straubenhardt seit Einführung der Deutschen Turnliga. Der Mann, der einst mit Silberglanz in Tokio strahlte, steht jetzt am Rand, zupft Matten zurecht und flüstert Einschätzungen, die sofort Einschlag finden. Lukas Dauser, 32, Olympia-Zweiter von 2020, ist zurück – nicht als Athlet, sondern als Teammanager. Und er liefert direkt die erste Machtdemonstration ab.
Von der matte in die kommandozentrale
Die Halle in Conweiler ist auf 650 Zuschauer gedrosselt, trotzdem droht die Luft zu knistern. Dauser trägt kein Trikot, sondern ein Headset. Seine Stimme donnert nicht mehr durch den Salto, sie gleitet durch Funk in die Ohren der Nachwuchsturner. „In der ersten Hälfte klappte alles“, sagt er nach dem Schlusssignal, das zwischen Jubel und Ungläubigkeit schwankt. Er wirkt entschlossen, fast schon militärisch, als hätte er den Kampfplan selbst geschrieben – was er, salopp gesagt, auch tat.
Der Gegner, TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau, reist nur mit acht Aktiven an, weil Verletzungen und Verbandsstreit den Kader dezimieren. Es ist ein Geburtstag, der zur Gaudi mutiert – aber nur auf der einen Seite. Straubenhardts ukrainisches Schwergewicht Illja Kowtun schraubt sich mit 13 Punkten an die Spitze der Einzelwertung, dann verschwindet er zügig Richtung Airport. Für ihn war dies nur eine Showeinlage im Exil; das Sperrdatum nach seinem Verbandswechsel nach Kroatien läuft noch, bis dahin muss er sich mit Gaststarts begnügen.

Warum dieser sieg mehr ist als drei punkte
Die Tabelle lügt nicht, aber sie schwindelt auch noch nicht: Straubenhardt marschiert mit dem Ziel, die vierte Meisterschaft in Folge zu holen. Zehn Titel insgesamt, der letzte im November 2025 mit Dauser noch als Aktivem. Die Verbindung ist mehr als nostalgisch – sie ist strategisch. „Er kennt die Druckphasen, er weiß, wann die Knie zittern“, sagt Barren-Europameister Nils Dunkel, der selbst souverän seine Übungen klatscht. Die Athleten vertrauen dem frühern Star, weil er dieselbe Matte gespürt hat, dieselben Schmerzen.
Die Liga ist dieses Jahr enger geworden, die Konkurrenz aus Bundesstützpunkten wie Berlin und Hamburg investiert kräftig. Dennoch: Ein 53-Punkte-Vorsprung zum Auftakt versetzt Straubenhardt in eine Ausgangsposition, die zwischen Selbstverständlichkeit und Statement schwankt. Für Dauser ist es vor allem ein psychologischer Vorteil. „Wenn du weißt, dass du einen Gegner schon mal zerlegt hast, fällt dir das zweite Mal leichter“, sagt er, während er eine Matte rollt, als wäre nichts gewesen.
Die Fans feiern auf dem Parkplatz, Autos hupen im Takt der Stadionsirene. Im Dorf mit 11.500 Einwohnern ist Turnen Volkssport, und jeder kennt jemanden, der irgendwann mal einen Handstand neben Kowtun machte. Die KTV spielt nicht nur für Punkte, sie spielt für Identität. Die nächsten Duelle gegen die Top-Teams kommen bestimmt, aber schon jetzt ist klar: Wer hier gewinnen will, muss mehr als nur sauber landen – er muss eine ganze Region überzeugen. Nach diesem Sonntag steht Straubenhardt auf Platz eins, mit Dauser an der Seitenlinie und einem Olympiasilber im Nacken. Der Rest der Liga hat gewarnt, dass der Mythos weiterlebt.
