Dati rast mit 23 die alpinen großen nieder – innsbruck jubelt über außenseiter-coup

Tommaso Dati hat sie alle alt aussehen lassen. Der 23-jährige Sprinter des italienischen Continental-Teams Ukyo riss sich in Innsbruck die erste Etappe des Tour de los Alpes und trägt jetzt das Bergkönig-Trikot. 144,3 km lang war die Jagd durch Tirol, doch die Entscheidung fiel erst 200 m vor dem Ziel – als Timen Arensman, Ineos-Handlanger von Egan Bernal, mit leeren Beinen vom Asphalt kroch und das Feld wieder zusammenriss. Dati nutzte die Sekunde, schob sich an Tom Pidcock und Florian Stork vorbei und war in 3:21:36 h mit 42,9 km/h Schnitt Geschichte. Zweiter Profisieg, zweiter Saison-Coup nach Coppi e Bartali – und das mit Lizenz zum Träumen.

Die flucht, die bis zuletzt wehtat

Los gingen drei, die niemand auf der Rechnung hatte: Tobias Nolde, Emanuel Zangerle und Josef Dirnbauer. Deren Vorsprung schwoll auf vier Minuten an, weil sich die Großen hinten gegenseitig maßen. Zangerle, Innsbrucker Bub, hielt als Letzter durch. Erst 5 km vor dem Ziel schluckte ihn das Peloton – vor eigenem Publikum. Dann legte Ineos das Tempo auf Brandjochstraße noch einmal quer: 500 m, 5,8 %. Wer hier nicht saß, schaute nur noch Räder.

Arensman zog durch, 250 m waren noch zu gehen. Sein Vorsprung war winzig, die Lücke schon zu sehen. Tudor jagte, Jumbo verlegte sich auf Schutz, und aus dem Gewirr schlüpfte Dati wie ein Messer. „Ich wollte nur noch die Lücke sehen, dann bin ich durch“, sagte er später mit zitternder Stimme. Die Uhr stoppte bei vier Sekunden Vorsprung auf Pidcock, sechs auf Stork – ein Hauch, der reicht, um eine Woche lang zu träumen.

Morgen geht’s rauf, wo der gipfel die beine frisst

Morgen geht’s rauf, wo der gipfel die beine frisst

Die zweite Etappe führt von Telfs nach Martell/Val Martello: 147,5 km, drei Anstiege, Finale auf 1. Kategorie. Martell wartet mit 6,9 km und 8,1 %, davor Piller Höhe (9 km/6,2 %) und Passo Resia (16 km/3,3 %). Wer heute noch lachte, darf morgen zahlen. Dati weiß das. „Ich werde das Trikot so lange wie möglich halten, aber die Berge sind meine Rechnung.“ Für die Favoriten beginnt dort, wo Dati aufhört: bei 1.800 m, wo die Luft dünn und die Beine wahr werden. Innsbruck feierte einen Außenseiter – morgen schreiben wieder die Großen das Skript.