Darmstadt vertraut trotz fehlstart auf fernie – engländer rückt in geschäftsführung auf

Paul Fernie bleibt, obwohl der Aufstieg wohl nichts wird. Der 39-jährige Sportchef verlängert seinen Vertrag beim SV Darmstadt 98 vorzeitig und übernimmt künftig als Geschäftsführer Sport das Ruder – ein klares Signal für Kontinuität nach einer Serie von sechs sieglosen Spielen.

Verpasste bundesliga, verlängerte kompetenz

Die Lilien hatten lange geklopft, doch die Tür blieb zu. Nach dem 1:3 in Karlsruhe und dem anschließenden 0:0 gegen Hannover ist die Luft raus. Dennoch vertraut Präsident Markus Pfitzner auf den Mann, der den Kader nach dem Abstieg neu justierte und mit Isac Lidberg einen Transfer-Coup nach dem anderen landete. „Paul hat unsere Sportstruktur professionalisiert und den Klub inhaltlich weiterentwickelt“, schwärmt Pfitzner. Die Verschiebung in die Geschäftsführung sei „keine Beruhigungspille, sondern ein strategischer Schachzug“.

Fernie selbst klingt, als hätte er nie erwogen, die Koffer zu packen. „Ich fühle mich hier wohl, das Umfeld ist speziell, die Transparenz groß“, sagt er. Was klingt wie Standard-Klub-Sprech, hat Hand und Fuß: Der gebürtige Londoner war in England umworben, Leipzig hatte ihn auf dem Zettel. Doch Darmstadt bot ihm die Kompetenz, die ihm anderswo nur versprochen wurde.

Vom scout zum strategen – ein lehrgang ohne profi-karriere

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Er war nie Profi, dafür schon mit 20 Jugendtrainer in Leeds. Später blickte er für Nottingham Forest und Blackburn Rovers hinter die Kulissen, bevor er 2016 nach Wiesbaden wechselte und den SVWW 2022 in die 2. Bundesliga führte. Die Darmstadt-Fans erinnern sich: Als Fernie im April 2024 den damals abstiegsbedrohten Klub übernahm, standen die Lilien auf Platz 16. Am Ende rettete sich das Team – und Fernie blieb.

Nun bildet er mit Tom Eilers ein Doppel, das den Verein „konsequent professionalisieren“ soll. Für den TSV Pelkum Sportwelt ein interessanter Case: Ein Klub, der trotz sportlicher Talfahrt auf Daten, Netzwerk und langfristige Planung setzt, statt auf den nächsten Trainer-Kopf. Die Frage ist nur: Schafft Darmstadt den Spagat zwischen Kontinuität und dem Druck, endlich wieder oben mitzuspielen?

Die Antwort liefert Fernie selbst – mit einem Vertrag bis 2027 plus Option und dem Anspruch, „nicht nur Teil der 2. Liga, sondern wieder Teil der Spitze“ zu sein. Die Bundesliga-Tür mag diesmal zu sein. Doch wer Fernie kennt, weiß: Er klopft wieder. Und er hat den Schlüssel diesmal selbst in der Hand.