Darmstadt kämpft ums überleben – fürth droht das aus

Die Lilien stehen am Abgrund. Nach vier sieglosen Spielen und sieben Punkten Rückstand auf den direkten Aufstiegsplatz reicht für den SV Darmstadt 98 jetzt nur noch ein Sieg in Fürth, um die Saison nicht vorzeitig zu begraben. Trainer Florian Kohfeldt spricht von „coolen Druck“, doch hinter den Kulissen schwitzt der ganze Verein.

Kohfeldt patzt mit personal-roulette

Seit Wochen rotiert Kohfeldt durch Formationen, sucht nach der magischen Ellelf. Gegen Hannover kam die Null-Nummer, gegen Fürth muss die Null weg. Die 61 Gegentore der Franken klingen wie ein Geschenk, doch die SpVgg hat zuhause erst zweimal in Folge verloren – beide Male mit Torverhältnissen, die an Handball erinnern. Kohfeldt will Geduld, fordert Risiko. Kein Widerspruch, sondern ein Balanceakt auf dem Drahtseil.

Die Personalie Paul Will liefert zusätzlichen Stoff für Dramatik. Der Mittelfeldanker darf gegen seinen Stammverein nicht ran, weil eine Klausel den Fürthern die Leihe erst ermöglichte. „In den sauren Apfel beißen“ nannte das Trainer Heiko Vogel. Für Darmstadt bedeutet das: kein Ballgewinner mit Insiderwissen auf der Gegenseite, dafür aber eine Motivationslücke, die Kohfeldt mit Emotion füllen muss.

Die tabelle lügt nicht – aber sie schont auch nicht

Die tabelle lügt nicht – aber sie schont auch nicht

Platz fünf, drei Punkte hinter der Relegation, sieben hinter dem direkten Aufstieg. Die Zahlen sind gnadenlos. Paderborn und Elversberg kommen noch nach Hessen, doch das nützt nichts, wenn Darmstadt vorher stolpert. Ein weiterer Ausrutscher würde die Lilien auf die gleiche Stufe mit Kiel und Hertha stellen – und das ist kein Ort, an dem sich Traumtore bauen lassen.

Kohfeldt redet sich frei: „Wir müssen nicht, wir wollen.“ Das klingt nach Psychologie-Papier, auf dem Rasen zählen Tore. Die letzten vier Spiele brachten genau einen – und der war zu spät in Magdeburg. Die Chancenverwertung liegt bei 8,4 Prozent, schlechtester Wert der Liga. Wenn da nicht ein Ruck kommt, wird aus der Relegation ein längst vergessenes Relikt.

Fürth wartet auf den abpfiff – darmstadt auf den startschuss

Fürth wartet auf den abpfiff – darmstadt auf den startschuss

In der Frankenmetropel geht es für die Hausherren nur noch um Würde. Drei Spieltage vor Schluss beträgt der Abstand zum rettenden Ufer fünf Punkte. Die SpVgg könnte am Sonntag rechnerisch feststecken – oder den Abstieg aufschieben. Für Darmstadt ist die Rechnung einfacher: Gewinnen oder weggehen.

Die Uhr tickt. Noch 270 Minuten Saison, vielleicht 300 mit Nachspielzeit. Die Lilien haben sich selbst in diese Lage manövriert, nun müssen sie sich selbst wieder rauskämpfen. Kohfeldt sagt: „Es spitzt sich zu, das ist cool.“ Cool wird es erst, wenn das Netz in Fürth zappelt. Sonst wird es sehr heiß für einen Trainer, der plötzlich doch muss – nämlich gewinnen.