Dakar 2027: 8.390 km durch wüste – castera zieht trotz kriegsangst die daumenschrauben an

David Castera legt die Daumenschrauben an. 8.390 Kilometer, 5.320 Kilometer Wertung – so lang war keine Dakar seit dem Umzug nach Saudi-Arabien. Der Franzose präsentierte in Paris die Strecke des Rallye-Klassikers 2027, monatelang früher als üblich, und lieferte nebenbei ein Statement ab, das klingt wie ein Schulterschluss mit dem Königreich: Krieg hin, Raketen her – wir fahren.

„Der krieg steht im iran, nicht im dakar-gelände“

Die Frage der Sicherheit stand im Raum wie ein lastender Wüstensturm. Iran, Jemen, Rote-See-Krise – die Schlagzeilen schießen schneller als die Raketen, die hinter ihnen stehen. Castera kontert mit nüchternen Zahlen: 40 Rekognoszierungstage, kein Zwischenfall, Events „jeden Tag“. Seine Botschaft an die 3.000 Köpfe, die im Januar 2027 am Roten Meer starten: „Ich schicke keine Menschen in eine Zone, in der ich nicht 100-prozentige Sicherheit garantieren kann. Heute kann ich das.“

Alternativpläne? Fehlanzeige. „Wenn sich die Lage so verhält wie heute, ist alles gut“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der sein Schicksal längst mit Saudi-Arabien verzahnt hat. Die Pilotenvertreter, die in Paris die Routenkarte enthüllten, nickten. Kein Boykott, kein offener Widerspruch – nur das leise Knirschen von Daumenschrauben, die enger sitzen als je zuvor.

Mehr distanz, weniger zufall: die neue strecken-philosophie

Mehr distanz, weniger zufall: die neue strecken-philosophie

2026 galt als verweichlichte Ausgabe – Castera gibt es offen zu. Die Antwort: zwei Wochen Dauerstress, in der zweiten Januarwoche fast durchgehend 450-Kilometer-Etappen. „Wir haben es bewusst so gebaut. Und ich liebe diese Route“, sagt er mit dem Unterton eines Mannes, der seine eigene Härte mit jeder Sanddune misst.

Ein weiterer Kniff: getrennte Tracks für Bikes und Autos nur noch in den Dünen. Die umstrittenen Voll-Separationen, die Carlos Sainz und Nani Roma2026 das Genick brachen, verschwinden. „Wenn wir trennen, dann nur in 100-prozentiger Sandwüste. So bleibt das Los fair“, erklärt Castera. Die Etappen 6 und 7 verlaufen künftig parallel, nur kurze Seitenarme trennen die Klassen – ein Kompromiss, der Streit vermeiden und Spannung erhalten soll.

Dazu zwei neue Bike-Only-Sektoren von 80 bis 90 Kilometrn durch Canyons und Bergkämme, für Autos und Trucks unpassierbar. „Enduro-Charakter, technisch, aber nicht extrem“, verspricht der Streckenchef. Die Jury der Biker wird das freitagabend in Bivouacs testen – und vermutlich lächeln.

Marathon pur: die entscheidung fällt wieder auf den letzten metern

Marathon pur: die entscheidung fällt wieder auf den letzten metern

Die traditionelle Marathon-Etappe samt Refugium behält ihren Platz – und zwar am Ende. Castera will das Rennen offen halten bis zum letzten GPS-Punkt. 2027 droht kein Schaulaufen, sondern ein Kräfteakt, bei dem Mechaniker in den letzten Nächten wohl öfter mit Taschenlampen unter 4×4-Flanken kriechen werden.

Die Teilnehmerliste öffnet im September. Wer dann noch zögert, muss sich fragen lassen: Wie viel Risiko vertrage ich – und wie viel Wüste steckt in mir? Die Antwort wird im Januar zwischen Dschidda und der leeren Viereck-Provinz über 8.390 Kilometer ausgefochten. Keine Alternative, kein Zurück. Castera hat gesprochen.