Countdown läuft: 4000 athleten stürzen sich auf das saarland

Das Land schaufelt zehn Millionen Euro in Hallenböden, Rampen und Rollstuhltoiletten – und trotzdem hagelt es Kritik. Noch 104 Tage bis zu den Nationalen Spielen der Special Olympics, und die Uhr tickt nicht nur für Organisatoren, sondern auch für Bauunternehmen, die auf Hochtouren arbeiten.

Milliarden-poker im kleinformat

Reinhold Jost, SPD-Sportminister, wirkt im Saarbrücker Presseclub fast schon entschuldigend: „Wir liegen im Plan.“ Klingt wie ein Mantra. Tatsache ist: 28 Sportarten, 4000 Athleten mit geistiger Behinderung oder Mehrfachbeeinträchtigung, bis zu 100 000 Zuschauer – das ist die schiere Dimension. Vier bis fünf Millionen Euro fließen allein aus dem Landeshaushalt, um das Spektakel über die Bühne zu bringen. Der Rest kommt aus Fördermitteln, Sponsoren und dem Bundeszuschuss. Die Rechnung: 10 000 Euro pro Sportler, wenn man nur die Investitionen in barrierefreie Sportstätten betrachtet.

Die Baustellen sind längst keine Metapher. In Merzig fehlt noch das behindertengerechte Sanitärbauwerk, in Völklingen wird die Tribüne komplett neu gebaut. In Dillingen stehen Arbeiter bis spät abends, weil die neue Rampe sonst die Zugangskontrolle blockiert. Und trotzdem moniert der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter: „Nicht alle Austragungsorte sind vollständig barrierefrei.“ Ein Satz, der wie ein Stich in den eigenen Anspruch klingt.

Forbach und die grenze zur realität

Forbach und die grenze zur realität

Ein Blick über die Grenze: In Forbach, Frankreich, soll parallel ein Fan-Fest stattfinden. Die Idee ist großartig – deutsch-französische Inklusion als Freundschaftsspiel auf Kommunalebene. Doch die französischen Partner haben ihre eigenen Vorgaben. Sicherheitszonen, Grenzkontrollen, medizinische Versorgung: alles doppelt geregelt. Die Logistik wird zum Drahtseilakt zwischen zwei Rechtssystemen.

Die Athleten selbst? Die trainieren weiter, quälen sich durch Hallen, die noch nach frischer Farbe riechen. Für sie zählt der 15. Juni wie ein Startblock. Sarah Müller aus St. Wendel zum Beispiel, 23, geistige Behinderung, startet im Schwimmen. Sie sagt: „Ich will nur meine Zeit schlagen, egal ob die Rampe links oder rechts ist.“ Ein Satz, der alles auf den Punkt bringt.

Am Ende bleibt eine Frage: Wer misst hier eigentlich den Erfolg? Die Politiker an der Zahl der verbauten Euro? Die Kritiker an der Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Oder die Sportler an der Sekunde, die sie schneller sind als letztes Jahr? Die Antwort kommt am 20. Juni, wenn die letzte Medaille vergeben ist. Dann wird klar sein: 10 Millionen Euro kaufen keine Perfektion – aber vielleicht einen Schritt näher an sie heran. Und das ist in einer Zeit, in der Inklusion oft nur ein Buzzword bleibt, schon fast ein Sieg.