Cottbus mobilisiert gegen ulm: ramadan-ende soll aufstiegswende bringen

Die Lausitzer wollen vergessen – und nach vorne schauen. Nach dem 1:4 in Aachen droht Energie Cottbus am Samstag (15 Uhr) gegen den abstiegsbedrohten SSV Ulm der erste Sturz aus den Aufstiegsrängen seit 154 Tagen.

Der ramadan-faktor: cigeri beendet fastenpause

Tolcay Cigeri, 13 Tore, 14 Assists, Cottbus' kreativer Dauerbrenner, legt den Fastenmonat Donnerstag ab. „Danach gibt es immer einen Schub“, wünscht sich Trainer Claus-Dieter Wollitz. Die Zahlen sprechen für ihn: Aus den letzten vier Partien holte Energie nur einen Sieg, Cigeri wirkte in Aachen sichtlich energielos. Der Mittelfeldstratege selbst verweigert jede Ausrede – aber die Uhr tickt. Mit neun Punkten Vorsprung auf Platz fünf reicht eine weitere Schippe draufzusetzen, um die Verfolger auf Distanz zu halten.

Die Gäste aus Ulm reisen als Tabellenletzte an. 24 Zähler, neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Für die Schwaben geht es ums reine Auskommen, nicht ums Weiterkommen. Genau das macht sie laut Wollitz gefährlich: „Egal welche Situation dort ist, wir müssen unsere spielerische Wucht auf den Platz bringen.“ Die letzte Wucht war vielmehr ein Schlag auf die eigene Nase.

13.000 Fans und ein herzstolper-test

13.000 Fans und ein herzstolper-test

Am Donnerstagmittag fehlten nur noch 3.000 Karten bis zur Ausverkaufsgrenze von 13.000. Unter den Zuschauern: 40 Freiwillige, die sich während des Spiels einem Langzeit-EKG unterziehen. Die Medizinische Universität Lausitz misst, wie Tore, Fouls und Platzsturm auf das Fan-Herz durchschlagen. Wollitz lacht trocken: „Hoffentlich liefern wir keine neue Herzattacke.“

Die Botschaft im Stadion ist klar: Zweiter Platz reicht nicht, Aufstieg lautet die Devise. Henry Rorig formuliert es so schlicht wie druckreif: „Wir sind Zweiter, weil wir zuhause erst einmal verloren haben.“ Keine Ausreden, keine Schönwetterleier. Die Saison hat 30 Spiele, nicht 29. Und die Liga verzeiht kein zweites Aachen.

Cottbus spielt gegen Ulm, aber eigentlich gegen sich selbst. Der Gegner steht mit dem Rücken an der Wand – genau der Moment, in dem vermeintlich Abgeschriebene zubeißen. Wollitz will keine Psychologie, nur Punkte. Seine Aufstellung wird rotieren: mehr Tempo über außen, frische Beine im Zentrum. Wer am Samstag nicht bereit ist, ein Stück zu leiden, ist fehl am Platz. 90 Minuten, 13.000 Stimmen, ein Herzstolpern. Die Rechnung ist simpel: gewinnen, und die Verfolger bleiben hinter sich verlieren, und die große Erzählung droht zu kippen. Das Stadion wird kochen – und Cigeri endlich wieder Trinkpausen einlegen dürfen.