Cordero di montezemolo: vom ferrari-boss zum gentleman farmer
Die Melodie des Zirpens und Meisenwechsels untermalt ein idyllisches Bild: Hunde, Pferde, Esel, Kühe, Schafe und sogar Schildkröten bevölkern das weitläufige Anwesen Villa Fungarino, südlich von Bologna. Doch hinter dieser malerischen Szenerie verbirgt sich eine faszinierende Geschichte – die eines Mannes, der einst die Formel 1 dominierte und nun die Landwirtschaft für sich entdeckt hat: Luca Cordero di Montezemolo.
Von der rennstrecke in die felder
Montezemolo, der ehemalige Präsident von Ferrari, der Azzurra-Abenteuer und die Italia 90 Weltmeisterschaft leitete, sowie der Mann hinter Italo, hat sich inmitten des hektischen Rennsports und der Geschäftsleitung einem ungewöhnlichen Neuanfang gewidmet. Villa Fungarino, einst durch Bomben zerstört und liebevoll vom Großvater wiederaufgebaut, ist nun sein Rückzugsort, seine Leidenschaft und sein Zukunftsprojekt.
“Ich würde es gerne, aber ich habe noch Verantwortlichkeiten, die mich viel reisen lassen”, gesteht Montezemolo vor dem Grand Prix von Monaco, wo McLaren, für das er als Generaldirektor tätig ist, seinen tausendsten Grand Prix feiert. Doch sein Herz schlägt zunehmend für die Landwirtschaft, für die Selbstversorgung und die Nachhaltigkeit.
Die Diagnose, die alles veränderte Die Entscheidung für Villa Fungarino war nicht rein zufällig. Nach starken Magenbeschwerden, die vermutlich durch den Stress der Formel 1 verursacht wurden, erhielt Montezemolo den Rat eines Arztes, seine Ernährung umzustellen. So wurde die Tenuta zu einem Ort der Heilung und der Selbstversorgung. “Wir sind nun total autonom”, erklärt er stolz. “Wir machen Wein und Öl, haben Fleisch von unseren Aberdeen Angus Kühen, Obst und Gemüse aus dem Garten, Eier von unseren Hühnern und Pasta mit antiken sizilianischen Weizenmehlen.”

Eine vision für die zukunft: nachhaltigkeit und innovation
Montezemolo träumt von einer Villa Fungarino, die nicht nur ein Ort der Ruhe ist, sondern auch ein Vorbild für innovative und nachhaltige Landwirtschaft. “Ich möchte meinen fünf Kindern, vom 48-jährigen Sohnemann bis zum 16-jährigen Jüngsten, dieses selbstversorgende, nachhaltige Unternehmen hinterlassen”, so Montezemolo. Besonders sein jüngster Sohn, Lupo, zeigt großes Interesse an der Agrarwirtschaft und plant, in Bologna zu studieren. “Er weiß schon alles über die Tierhaltung”, schwärmt Montezemolo. “Wir waren zusammen in Irland, um Kühe zu kaufen, und in Argentinien. Er ist wirklich begeistert.”
Aktuell gehören 42 Aberdeen Angus Kühe zum Bestand, das Ziel ist jedoch der Ausbau zu einem der besten Zuchtbetriebe Italiens mit 50 Mutterkühen. Neben den Kühen gibt es Pferde, Esel, Schafe, Hunde und neun Schildkröten – ein ganzes Ökosystem unter seiner Leitung.
Ein unerwarteter Karriereweg Montezemolo erinnert sich mit einem Lächeln an seinen ursprünglichen Berufswunsch: “Ich träumte davon, Strafverteidiger zu werden.” Doch ein Stipendium führte ihn zum juristischen Studium in Rom und dann in die USA. Ein Umweg über die Radiosendung “Chiamate Roma 3131” veränderte alles. Enzo Ferrari, beeindruckt von Montezemolos Leidenschaft für den Motorsport, lud ihn als Assistenten ein. Ein Angebot, das er nicht ausschlagen konnte. “Ferrari hat mir beigebracht, niemals aufzugeben und immer das Maximum zu fordern – auch wenn man gewinnt”, so Montezemolo.
Und mit Ferrari wurden nicht nur Siege gefeiert, sondern auch eine Ära geprägt. Lauda und Schumacher gehörten zu seinen größten Erfolgen – obwohl er sich bei der Frage, wen er bevorzugt, schwer tut. “Lauda war ein wahrer Freund”, gesteht er.
Italo: Ein italienisches Erfolgsmodell Montezemolo blickt stolz auf seine Gründungen zurück, insbesondere auf Italo. “Es war eine große unternehmerische Herausforderung”, sagt er. “Ein Hochgeschwindigkeitszug! Es war etwas wie ein Traum.” Der Erfolg von Italo, der vollständig aus privaten Mitteln finanziert wurde, hat nicht nur die italienische Bahn revolutioniert, sondern auch zu einer Senkung der Fahrpreise geführt.
Die italienische Nationalmannschaft bleibt ein schmerzlicher Verlust. Montezemolo betont, dass Italien dringend wieder konkurrenzfähig werden muss. “Wie ist das möglich? Indem man sich die Erfolgsrezepte anderer Nationen, wie zum Beispiel Deutschlands, genau ansieht und in die Grundlagen investiert.”
Obwohl er von Giancarlo Abete oder Giovanni Malagò für den neuen Fußballverband überzeugt ist, hat er dem Letzteren eindringlich abgeraten, das Amt zu übernehmen. “Er kommt aus einer erfolgreichen Olympiade heraus. Ich habe ihn gewarnt.”
Die Geschichte von Luca Cordero di Montezemolo ist eine Geschichte von Leidenschaft, Erfolg und einem Neuanfang. Ein Leben zwischen Rennstrecke und Ackerboden, zwischen Formel 1 und nachhaltiger Landwirtschaft. Und mit jedem neuen Jahr, das auf Villa Fungarino anbricht, wird die Melodie der Grillen und Meisenwechsler zu einem weiteren Kapitel in dieser faszinierenden Geschichte.
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