Coppa d'africa: finale im grab, pokal zwei monate später umgeschrieben

Der Senegal hatte den Pokal schon in den Händen – doch das war nur ein Vorspiel. Zwei Monate nach dem Finale in Rabat revidiert die Caf das 0:0 und den Elfmeter-Krimi, erklärt Marokko zum 3:0-Sieger und zieht den Titel zurück. Die Begründung: ein angeblicher Regelverstoß, der live vor 68 000 Zuschauern niemandem aufgefallen war. Die Afrikaner nennen es Zauber, der Rest der Welt nennt es Skandal.

Warum der ball nicht mehr rollt, sondern die anwälte

Der Abend begann wie ein Märchen. Der Senegal trägt sich in Führung, Gueye trifft in der 92. Minute – aber der Schiri pfeift zurück, weil Seck angeblich Hakimi foult. Die Wiederholung zeigt: Schulter an Schulter, kein Elfmeter, kein Freistoß. Die Entscheidung steht trotzdem. Die Spieler toben, Coach Pape Thiaw wirft seine Flasche, die Mannschaft stapft Richtung Kabine. Sadio Mané bringt sie zurück – unter Protest.

Die 98. Minute: Ecke Marokko, Brahim Diaz geht zu Boden. Schiri Jean-Jacques Ndala schaut sich die Szene an, zeigt auf den Punkt. Der VAR liefert keine klare Bilder, der Kontakt ist minimal. Diaz selbst schleicht sich an, legt den Ball hin – und chippt ihn wie ein Schuljunge in die Arme von Mendy. Der Keeper rührt sich nicht. Jubel auf der Tribüne, aber im Stadion bleibt es still. Die Senegal-Fans wittern Betrug, die Marokkaner ahnen, dass hier jemand absichtlich verzichtet.

Der handtuch-wirbel und die magie der kabinen

Der handtuch-wirbel und die magie der kabinen

In der Verlängerung schlägt Gueye erneut zu. Dann passiert das Unfassbare: Hakimi schnappt sich das weiße Handtuch von Mendy – ein Talisman, den der Keeper seit zwei Jahren nicht aus der Hand gibt – und schleudert es hinter die Werbetafel. Diouf sprintet, holt es zurück. Sekunden später versuchen Balljungen, das blaue Ersatz-Handtuch zu klauen, Saibari blockiert den Weg. Der Nizza-Schlussmann klammert sich daran, als ginge es ums Leben. In Westafrika glaubt man an Macht der Objekte; wer das Handtuch kontrolliert, kontrolliert das Spiel. Die Bilder gehen um die Welt, Hashtags wie #TowelGate trennen Meme-Kultur von Voodoo.

Das 0:0 wird 1:0, 1:0 wird 1:0 – und dann kommt das Fax. Die Caf sitzt in Johannesburg, liest ein Dossier von marokkanischen Anwälten, die eine „vorsätzliche Spielverzögerung“ durch den Senegal konstruieren. Die Begründung: Die Leoni hätten durch den Kabinengang die Regel 31.4 gebrochen – ein Paragraf, der so klein ist, dass ihn selbst Profis nicht kennen. Kein Doping, keine unterschlagenen Geldkoffer, nur ein Protestmarsch. Ergebnis: 3:0 für Marokko, Titel aberkannt, Pokal wird umgegraviert.

Fifa-Präsident Motsepe schweigt, der Senegal zieht vor den Cas, der marokkanische Verband feiert sich als moralischer Sieger. Die Spieler? Diaz erfährt es im Etihad-Tunnel nach ManCity gegen Real, Hakimi in der Mixed Zone von Stamford Bridge. Beide lächeln gequält – sie wissen, dass keiner von ihnen je wieder ein Interview geben wird, ohne an diesen Abend erinnert zu werden.

Fussball ist in Afrika oft mehr als Sport, er ist Politik, Religion, Wirtschaft. Aber dass ein Kontinentalturnier nachträglich umgeschrieben wird, weil jemand ein Handtuch liebte und ein Schiedsrichter seine Brille vergaß, das ist neu. Die Caf liefert das Lehrbeispiel dafür, wie man aus dem eigenen Produkt eine Farce macht. Der Pokal steht jetzt in Rabat – doch jeder, der ihn ansieht, weiß: Er gehört eigentlich nach Dakar. Und niemand wird je wieder an afrikanische Finalspiele glauben, ohne zuerst den Kalender zu checken. Denn Termine kann man offenbar auch nachträglich verschieben – wenn man bereit ist, den Rest der Glaubwürdigkeit zu opfern.