Conte wirft den azzurri eine zukunftsfalle vor – und will selbst hineinspringen
Antonio Conte lachte nicht, als er gefragt wurde. Er zog die Mundwinkel nach oben, so wie ein Mann, der weiß, dass das Spiel schon längst begonnen hat. Nach dem 1:0 gegen Milan, fünfter Sieg in Serie, legte er die Karten offen: „Wenn ich der italienische Präsident wäre, würde ich mich auch fragen.“ Gemeint: Warum nicht wieder Conte für die Squadra Azzurra?
Italiens verband kriegt ein angebot, das er nicht ablehnen kann – und nicht annehmen darf
Der Fall Gattuso ist binnen 24 Stunden zur Farce verkommen. WM-Aus in Bosnien, Rücktritt, dann die Enthüllung: Der Weltmeister von 2006 hatte intern nie die volle Rückendeckung des Präsidiums. Jetzt sitzt FIGC-Boss Gravina auf glühenden Kohlen. Conte liefert ihm das Feuerzeug. „Ich kenne das Umfeld. Ich war zwei Jahre lang Trainer. Es ist eine Ehre, das Land zu repräsentieren.“
Doch da ist dieser Vertrag in Neapel, läuft bis 2027, ein Bollwerk aus Millionen und Klauseln. Conte selbst spielt es herunter: „Sie kennen meine Situation.“ Gemeint: Die Ablöse wäre astronomisch. Die Ablöse wäre machbar. Denn der Verband kann auf einen Sonderfonds zurückgreifen, den Ex-Sponsor Pirelli nach dem WM-Debakel hinterlegt hat – für „strategische Neuausrichtung“. Das klingt nach Marketing, ist aber ein Scheck mit neun Nullen.
Conte will mehr als einen Job. Er will eine Revolution. „Damals bekam ich nur wenig Unterstützung. Jetzt muss sich vieles ändern.“ Wer genau zuhörte, verstand: Er verlangt das Kommando über Nachwuchs, Medien und medizinische Abteilung. Kurz: den Posten eines Sportdirektors inklusive Nationaltrainer. Das ist kein Angebot, das ist ein Ultimatum.

Die liste der kandidaten schrumpft – der druck wächst
Spalletti und Motta schickten ihre Agenten, um sich abzusichern. Beide merkten: Der Verband tanzt nur auf zwei Hochzeiten – öffentlicher Befund: offene Auswahl, interner Befund: Conte oder Chaos. Die Fans sprechen sich auf Social-Media-Umfragen mehrheitlich für die „Rückkehr des Feldwebeln“ aus, 73 Prozent in zwölf Stunden. Die Zahlen lügen nicht, sie erpressen.
Conte selbst ist noch nicht in Rom gewesen. Er wartet. Eine Woche, maximal zehn Tage. Dann trifft er sich mit Präsident Gravina – nicht im Hauptquartier, sondern in einem Hotel am Flughafen Ciampino. Kein Zufall. Dort kann man schnell wieder verschwinden, falls das Gespräch scheitert. Oder schnell nach Neapel zurückfliegen, falls es Erfolg hat.
Italien sucht den Neustart. Conte bietet sich selbst an – mit Stolz, mit Zahlen, mit einem Vertrag, der eigentlich keinen Durchbruch erlaubt. Aber Fußball ist keine Logik, sondern ein Kardinalsgeheimnis. Und die nächste Conclave steht unmittelbar bevor.
