Conte feiert mit oscar-gewinner sorrentino: sieg gegen milan wird zur neapel-oper

Antonio Conte lässt den Ball locker, aber den Champagner nicht: Nach dem 2:0 gegen den AC Milan schraubt der Napoli-Coach direkt das nächste Fest. Regisseur Paolo Sorrentino, frisch aus der Tribüne des Diego-Maradona-Stadions, sitzt diesmal nicht in der Loge, sondern gegenüber – im „Cicciotto“ von Marechiaro, wo das Mittelmeer an die Tischkante klatscht.

Die beiden Neapler Jungs von der Westküste, einer formt Spielideen, der andere Traumbilder, haben sich nicht zufällig ausgerechnet diesen Fischerspot ausgesucht. Der Ort, wo schon Totò die Seele baumeln ließ, passt zur Geste: Conte will den Scudetto-Angriff stilvoll starten, Sorrentino sucht das nächste Leinwand-Gesicht – und findet es vielleicht in Khvicha Kvaratskhelia, der mit seinen Locken durch die Milan-Defeglierte tanzte.

Ein tisch, zwei alpha-tiere und die frage nach dem titel

Das Handyvideo, das Kellner Giuseppe hinter die Bar klemmt, zeigt die Szene: Conte, Arm um Elisabetta, lacht laut – so laut, dass selbst die Möwen abdrehen. Sorrentino trägt seine Sonnenbrille auch im Schatten, ein Reflex, wenn man die Welt als Dauer-Close-up betrachtet. Gesprächsstoff reicht: Die Verletzten-Liste mit Osimhen, Natan und Zielinski ist lang, aber der Abstand auf die Tabellen-Spitze verkürzt sich auf vier Punkte. „Wir reden nicht über Inter“, sagt Conte, „wir essen sie – mit Limone.“

Das Menü steht, die Taktik auch: Hoch pressen, schnell umschalten, dann den Gegner mit Positionswechseln eindecken. Sorrentino nickt, er kennt das Prinzip aus „La grande bellezza“: Eben noch Party, gleich darauf Verfall. Nur dass Napoli diesmal den Plot dreht und aus dem Charakterdrama eine Siegesparade machen will.

Stadion als catwalk – vom catenaccio zur catwalk-culture

Stadion als catwalk – vom catenaccio zur catwalk-culture

Früher kamen bei Heimspielen der Partenopei die Ultras, heute kommt der ganze showbiz. Toni Servillo, Stammgast in Sorrentinos Filmen, ließ sich gegen Milan wieder in der Tribuna Posillipo blicken. Daneben sitzt Moderator Stefano De Martino, rechts davon Rapper Geolier – ein Mosaik, das dem Maradona-Stadion mittlerweile mehr Instagram-Storys als Punkte beschert. Conte mag das, solang seine Jungs die Laufwege kontrollieren.

Der Trainer weiß: Jede Publicity kann binnen Wochen in Böen der Kritik umschlagen. Deshalb schickt er seine Spieler auf den KursMatch-by-Match. Die Statistik gibt ihm recht: Nach der Winterpause holte Napoli 2,5 Punkte pro Spiel – Serien-Bestwert seit 1990. Drei Gegentore in zwölf Partien, dazu 25 Tore nach Ballgewinn im Mittelfeld. Die Zahlen riechen nach Titel, riechen nach Marechiaro, riechen nach Meer.

Am Nachmittag verlässt das Trio das Restaurant. Sorrentino dreht sich noch einmal um, filmt die Wellen, die gegen den Felsen klappen – perfektes B-Roll-Material. Conte steigt in den Teambus, lässt das Fenster herunter: „Ciao Paolo, nächstes Mal bezahle ich – wenn wir vorne stehen.“ Der Regisseur lacht. Er weiß, dass gute Geschichten offene Enden brauchen. Aber auch er traut Napoli diesmal den Happy End zu.