Como-boom: hartono-familie lotet start-up-kapital ab, kader nur teil des plans

Mailand schaut verblüfft auf den FC Como. Tabellenplatz vier, Zauberfußball von Nico Paz und Martin Baturina, ein Hauch von Barcelona an Comer See. Doch die indonesischen Milliardäre Budi und Michael Hartono denken nicht an den nächsten Transfer – sie denken an Cashflow.

Der kader ist nur das schaufenster

Laut Bilanzen der Djarum-Gruppe flossen seit der Übernahme 2021 über 180 Millionen Euro in den Klub. 38 Prozent davon fließen nicht in Spieler, sondern in digitale Tickets-Plattformen, Pop-up-Stores mit Limited-Edition-Jerseys und ein eigenes Reisebüro, das VIP-Pakete für chinesische Fanklubs verkauft. „Wir skalieren Como wie ein Tech-Start-up“, sagte Finanzchef Marco Iaria im November gegenüber Investoren. Er spricht von „Cross-Sales“, nicht von Taktik.

Die Logik: Jeder Spieler ist ein Influencer, jedes Tor ein Werbe-Slot. Nach dem 3:2 gegen Parma kauften innerhalb von 24 Stunden 12.000 Fans ein digitales Autogramm von Paz für 4,99 Euro – Umsatz: 59.880 Euro, Marginalkosten: null. Die App „Como365“ zählt mittlerweile 480.000 Nutzer, 62 Prozent kommen nicht aus Italien. Sie bestellen Merch, buchen Hotelzimmer, kaufen NFT-Karten. Ein einziges Tor kann so eine fünfstellige Einnahme-Kaskade auslösen.

Die serie b wird zur testbühne

Die serie b wird zur testbühne

Die Lega B verdiente 2023 insgesamt 81 Millionen aus TV-Rechten. Como holt sich denselben Betrag querfinanziert – und schert sich wenig um die Salary Cap. Weil die Holding Djarum die Gewinne über Lizenzgebühren und Managementhonorare wieder abschöpft, bleibt am Ende ein Plus in der Bilanz, das die Finanzprüfer der Liga akzeptieren müssen. „Wir sind nicht PSG, wir sind Amazon“, zitiert die Gazzetta einen internen Slogan.

Der Plan geht auf. Die EBITDA-Marge der Como-Football-Holding stieg von minus 34 auf plus 11 Prozent innerhalb eines Jahres. Analysten der Banca Sistema rechnen vor: Schafft Como den Aufstieg, steigt der Unternehmenswert laut DCF-Modell auf 450 Millionen Euro. Bleibt die Mannschaft in der B, kostet sie trotzdem nur 220 Millionen – ein Schnäppchen für ein europäisches Top-Asset.

Trainer Cesc Fàbregas weiß, dass seine Aufstellung nur eine Variable in einer Excel-Tabelle ist. „Wir sollen Fußball spielen, sie wollen Daten generieren“, sagte er nach dem Sieg in Cremona. Die U23 arbeitet bereits mit KI-Scouts, die herausrechnen, welche Aktionen die meisten Merchandising-Impulse liefern. Ein Assist von Baturina löst durchschnittlich 23 Prozent mehr Nachfrage nach seinem Namen auf Trikots aus als ein Tor von Patrick Cutrone. Also spielt Baturina öfter.

Die Fans jubeln, die Aktionäre applaudieren. Für die Hartono-Brüder ist Calcio nur das Betriebssystem, das Krypto-Wallet ist schon integriert. Wer nächste Saison in Como ein Ticket kauft, kann es mit USDC zahlen – und bekommt einen Cashback-Token, den er im Stadion-Biergarten wieder ausgeben darf. Serie B als Blockchain-Paradies, gespielt von Talenten, die noch nicht einmal ahnen, dass sie nebenbei zu Multimilliarden-Imperien gehören.

Bis der Ball wieder rollt, sitzt Michael Hartono in seinem Penthouse am Lago und lässt die Echt-Zahlen auf sein iPad flimmern. Ein Tor, ein Tweet, ein Token – alles Umsatz. Der FC Como ist längst kein Fußballclub mehr. Er ist ein gelungener Beweis dafür, dass man mit der richtigen Algorithmik sogar aus der zweiten italienischen Liga ein halbes Milliarden-Geschäft stemmen kann. Die Tabelle lügt nicht. Die Bilanz erst recht nicht.