Como: millionenloch wird zur 'galaxis' – was steckt dahinter?
Milan, 8. April – Der Como Calcio, gerade erst wieder in der Serie A angekommen, hat ein deutlich größeres Defizit ausgewiesen, als zunächst angenommen. Während von 105 Millionen Euro Verlust die Rede war, beläuft sich der tatsächliche Fehlbetrag, betrachtet man den gesamten Konzern, auf satte 132 Millionen Euro. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein überraschend komplexes Finanzgebilde, das weit über den reinen Fußballverein hinausgeht.
Die hartonos bauen ein imperium auf
Die indonesische Familie Hartono hat Como nicht nur als Fußballverein, sondern als Basis für ein diversifiziertes Geschäftsmodell erworben. Unter dem Dach von Sent Entertainment Italy operieren gleich mehrere Tochtergesellschaften, die jeweils einen anderen Bereich abdecken: Sent Academy für die Jugendförderung, Sent Property für Immobilien, Sent Retail für den Handel und Sent Digital für digitale Inhalte. Ergänzt wird dieses Gefüge durch Sent Tourism, der Reisebranche.
Die Strategie ist klar: Diversifizierung der Einnahmequellen. Während Como 1907 selbst auf einen Umsatz von 48 Millionen Euro kommt, stieg der Gesamtumsatz des Konzerns auf 55 Millionen Euro, dank Merchandising und anderer Nebeneinkünfte. Doch die Investitionen sind enorm. Bisher wurden bereits 390 Millionen Euro in die Holding Sent Entertainment Limited gepumpt – ein Betrag, der im Verhältnis zum Umsatz derzeit noch ein erhebliches Defizit verursacht.
Das Projekt wird als Start-up behandelt, und die hohen Anfangskosten für die verschiedenen Geschäftsbereiche belasten die Bilanz. Die Gehälter des Kaders und des Trainerstabs summieren sich auf 86 Millionen Euro, während die Gesamtkosten des Konzerns bei 190 Millionen Euro liegen. Gleichwohl hat der Eigentümer bereits 167 Millionen Euro nachgeschossen, um die finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Europa-ambitionen und financial fairplay
Como kämpft aktuell um die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe. Die UEFA-Regeln zum Financial Fairplay erlauben Verluste von maximal 60 Millionen Euro über einen Dreijahreszeitraum. Der Präsident Suwarso zeigt sich jedoch optimistisch: „Wir liegen derzeit 75 Millionen Euro unterhalb der UEFA-Grenze. Es gibt kein vergleichbares Beispiel: Ein Verein kehrt nach über 20 Jahren in die Serie A zurück und strebt direkt danach, sich für Europa zu qualifizieren. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Anforderungen des Financial Fairplay in zwei bis drei Jahren erfüllen werden.“
Die Hartonos haben mit Como Calcio ein ambitioniertes Projekt gestartet, das weit über den Fußball hinausgeht. Ob die diversifizierte Strategie langfristig zum Erfolg führt, bleibt abzuwarten, doch eines ist sicher: Die Familie Hartono investiert massiv in den Aufbau eines vielschichtigen Unternehmens.
