Como 1907 schreibt geschichte: hartonos investieren 400 millionen und träumen vom europapokal

Der kleine Klub am Lago, einst Kulisse für TV-Serien, ist zur besten Serie-A-Realität geworden. Die Hartono-Brüder haben seit 2019 400 Millionen Euro in eine Infrastruktur gepumpt, die jetzt Ergebnisse liefert: Platz fünf, Europapokal-Rufe, ein Kader voller Hollywood-Glanz und Kinderstars.

Warum gerade como?

Weil Cesc Fabregas nicht nur taktisch, sondern kulturell übersetzt. Er baute eine Mannschaft, die unsere Liga in Tempo und Gedankenspeed noch nicht kannte. Sebastiano Vernazza und Marco Iaria rechnen in der aktuellen Sportweek vor: 63 % Ballbesitz, 5,8 Pässe pro Angriffssequenz, Transfer-ROI von 1,47 – Zahlen, die selbst Gasperini neugierig machen.

Doch hinter den KPI stehen Menschen. Auf den Tribünen sitzt der Anwalt, der seit 1999 Dauerkarte zahlt und heute noch 19 Euro pro Spiel bezahlt, weil der Klub Treue belohnt. Daneben die Influencerin aus Mailand, die wegen Nico Paz und seinem Wirbelwind-Dribbling zweimal die Woche nach Como pendelt. Zwischen ihnen der indonesische Unternehmer, der erklärt, warum er seine Tochter in die Internationale Schule nach Erba schickt: „Weil der Klub auch die Stadt erzieht, nicht nur die Tabelle.“

Der zambrotta-effekt

Der zambrotta-effekt

Gianluca Zambrotta, 2006 Weltmeister, zeigt uns in seiner Heimatstadt, was „Investition“ bedeutet: neue Kunstrasenplätze für die U11, ein Co-Working-Space für Sport-Start-ups, ein Museum, das am Samstag länger offen hat als das Bistro. „Ich bin kein Botschafter, ich bin Fan“, sagt er und schiebt die Sonnenbrille hoch. „Und ich hasse es, wenn Leute dieses Projekt „Fairy Tale“ nennen. Märchen enden, Strategien nicht.“

Die Strategie hat auch Lorenzo Insigne aufhorchen lassen. In einem Interview erzählt er, dass er früher „nur zu Pescara“ in die Serie B gegangen wäre, und dass seine Liebe zu Neapel nicht verhandelbar war. Jetzt schaut er nach Como. „Wenn du dort ankommst, fühlst du dich sofort wichtig. Das ist kein Marketing-Trick, das ist Chemie.“

Was kommt nach dem tiro a giro?

Was kommt nach dem tiro a giro?

Die nächsten Termine sind klar: Flandern und Roubaix stehen im Kalender, auch wenn das der Radsport ist. Doch die Metapher passt. Como will Pflasterrennen gewinnen, nicht nur Spieltage. Der Gewinn der Europa-League-Quali würde 30 Millionen Euro TV-Prämme bringen – Geld, das wieder in den Campus fließt, den die Hartonos hinter dem Bahnhof planen. Baustart: Juni 2025.

Die Fans sind bereit. Der Club auch. Und die Liga? Die schaut auf, wie man es von der Serie A nicht gewohnt ist. Como ist kein Märchen, sondern ein Business-Case mit Sehnsucht. Am Samstag liegt die neue Sportweek für 2,50 Euro bei der Gazzetta dello Sport dazu – billiger als ein Espresso am Ufer. Und ehrlicher als jede Transfergerücht-App.