Comics statt transfer: eberls whatsapp-trick, um nagelsmann zu locken

Um Julian Nagelsmann zurück zum FC Bayern zu lotsen, schickte Max Eberl seinem Zielobjekt keine handelsüblichen Powerpoint-Präsentationen, sonnern Comic-Strips – per WhatsApp, nachts um 01:01 Uhr. Die Karikaturen zeigten Christian Streich als ungeduldigen Verlierer und Eberlselbst als strahlenden Strategen, der den Coach der Nationalelf an die Isar holt.

Warum bilder statt zahlen?

Intern lautet die Devise: Nagelsmann hasst lange Textblöcke. Agenten und Manager wussten das, doch Eberl ging einen Schritt weiter. Er beauftragte einen freien Illustrator aus Köln, innerhalb von 48 Stunden eine kleine Sequenz zu zeichnen: Szene eins – Thomas Tuchel verlässt das Trainingszentrum mit Koffer, Szene zwei – Nagelsmann steigt aus der Limousine, Szene drei – die Meisterschale glänzt. Der Clou: Unter jedem Panel platzierte Eberl eine Audio-Notiz, maximal 15 Sekunden, Stimme leicht verzerrt durch den Messenger-Filter. Bayern-Interne sprechen von »Storytelling unter Zeitdruck«.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nagelsmann antwortete nicht mit Text, sondern mit einem Emoji: dem durchbohrten Emoji-Kopf. Für Eberl ein Signal, dass der 33-Jährige die Botschaft verstanden hatte – und dass er spielt. In der Folge stieg die Frequenz: bis zu fünf Comic-Zellen pro Tag, immer zwischen 00:58 und 01:03 Uhr, dem Zeitfenster, in dem Nagelsmann laut Informanten »abschalten und zugleich denken« würde.

Der preis für kreative kürze

Der preis für kreative kürze

Der Illustrator kassierte 15.000 Euro für die Schnellserie. Das ist weniger als ein Tagessatz für einen Bayern-Profi, aber das Honorar steigt, sollte der Deal zustande kommen – dann würde die Comic-Reihe als limitierter Druck im Fan-Shop erscheinen. Eberls Kalkül: »Wenn der Sportliche Erfolg kommt, wird aus der Kuriosität ein Kultobjekt.« Noch ist der Vertrag nicht unterschrieben, doch die Bildchen haben bereits Signalwirkung entfaltet. Hasan Salihamidžić soll neidisch reagiert haben, weil er selbst nur Powerpoint-Folien verschickt hatte.

Streich selbst erfuhr von den Comics und lachte laut Zeugen»herzlich«. Er habe Eberl gratuliert: »Wenn du ihn mit Zeichnungen kriegst, ist mir das lieber als mit Millionen.« Tatsächlich könnte diese Mischung aus Humor und Nachtarbeit den FC Bayern wieder einen Trainer bescheren, der schon einmal Meister wurde – und diesmal vielleicht sogar mit Comic-Episode in der Tasche. Die Bayern-Geschäftsstelle kommentiert »keine Transfergerüchte«, doch intern ist man sich sicher: Die Bilder sind real, der Deal rückt näher.