Colombia entlässt lorenzo vor wm 2026 – copa-final jetzt makulatur

Die Copa-América-Finalteilnahme von vor drei Monaten zählt nichts mehr. Néstor Lorenzo muss nach der WM 2026 die Koffer packen, obwohl sein Vertrag eigentlich bis 2030 lief. Die Federación Colombiana de Fútbol zog gestern Nacht die Reißleine – offiziell bestätigt, intern längst entschieden.

Franzosen-debakel war der zünder

3:2 gegen Frankreich, 0:2 gegen Kroatien – zwei Testspiele, zwei Klatschen, ein Einschnitt. In der Niederlage von Lyon sprach Lorenzos Stab laut Insidern von „charakterlicher Leere“. Die Spieler antworteten mit Stille. Seitdem brodelt es im Barranquilla-Hotel. Präsident Ramón Jesurún ließ daraufhin Statistiker aus Buenos Aires anfliegen. Das Fazit: Die Tordifferenz gegen Top-15-Teams fiel von +6 unter Reinaldo Rueda auf –2 unter Lorenzo. Eine Zahl, die im 14. Stock der FCF-Zentrale lauter wird als jedes Schmusevideo aus dem Trainingslager.

Der Argentinier selbst reagierte mit Anklage. In der Kabine warf er den Feldspielern „mangelnde Risikobereitschaft“ vor. Kapitän James Rodríguez konterte, Lorenzos System verlange „roboterhafte Laufwege“. Die Folge: ein offener Riss zwischen Staff und Stars, den selbst die Presseabteilung nicht mehr kitten kann. Seit Montag trainiert Kolumbien wieder – ohne Medientermin. Die Kommunikationsabteilung spricht von „Ladenschließung bis auf Weiteres“.

26 Siege, 7 niederlagen – und trotzdem weg

26 Siege, 7 niederlagen – und trotzdem weg

Die Bilanz klingt solide, doch der Teufel steckt im Zeitstrahl. Von den 26 Siegen holte Lorenzo 18 gegen Länder außerhalb der Top 30. Gegen die acht besten Teams der FIFA-Weltrangliste siegte er genau einmal: 1:0 gegen Deutschland, vor 14 Monaten. Seitdem fünf Spiele, null Siege, vier Gegentore in der ersten halben Stunde. Der Verband wollte einen Langfristplan, bekam aber ein Kurzfrist-Puzzle. Die Copa-Finalteilnahme? „Ein Schönwetterlauf, nicht mehr“, sagt ein Vorstandsmitglied anonym. Die Entscheidung fiel bei 4:30 Uhr Ortszeit – per Zoom, mit Stimmberechtigung per Fingerabdruck. 11:0.

Der Coach kassiert 2,4 Millionen Dollar Jahresgehalt; die Auszahlung bis 2026 ist gesichert. Doch die Klausel für eine Verlängerung bis 2030 wurde gestrichen. „Wir planen bereits mit einem neuen Gesicht“, bestätigt Sportdirektor Carlos Enrique González. Kandidiert wird intern: Arturo Reyes (Ex-U-20-Coach), Alexandre Guimarães (Kostarika-Urgestein) und – als Sensationsname – Jürgen Klopp, dessen Berater seit Wochen in Bogotá einchecken. Klopp soll 2027 frei sein; die FCF will jetzt schon unterschreiben.

Lorenzos zukunft: boca oder galatasaray

Lorenzos zukunft: boca oder galatasaray

Während Kolumbien schon wieder richtet, richtet sich der Blick des Coaches gen Süden. Boca Juniors listet Lorenzo als „Plan A“ für 2026, sollte Diego Martínez die Copa Libertadores verpassen. In Europa schaltet sich Galatasaray ein: Der türkische Klub sucht einen Strategen mit Südamerika-Erfahrung, um den Staff von Okan Buruk aufzustocken. Lorenzo selbst schweigt, lässt aber via Anwalt verlauten: „Er wird das Turnier 2026 mit maximalem Druck verlassen – entweder als Held oder als Freigelassener.“

Für die Fans bleibt ein schaler Beigeschmack. Noch ist die Qualifikation nicht gesichert, schon wird der Richtungswechsel kommuniziert. In den WhatsApp-Gruppen kursiert ein Bild: Lorenzo mit Koffer, daneben der Schriftzug „Hasta nunca“. Die echte Frage lautet nicht, ob der Trainer geht – sondern, ob die Mannschaft sich bis 2026 noch einmal aufrichtet. Die Antwort fällt am 14. Juni 2026 in Miami, wenn Kolumbien gegen Senegal eröffnet. Bis dahin hat Lorenzo 640 Tage, um seine Epoche doch noch zu retten. Die Uhr tickt lauter als jedes Pressekommunique.