Cobolli stürmt in die top 15 – italiens tennis jetzt mit triple-power
Flavio Cobolli hat in Acapulco nicht nur den Titel geholt – er hat Geschichte geschrieben. Mit seinem ersten 500er-Coup rast der 22-Jährige auf Platz 14 der ATP-Weltrangliste und komplettiert ein Trio, das italienische Tennis-Fans vor zehn Jahren noch für Science-Fiction hielten: Zum ersten Mal jemals hängen gleich drei Azzurri – Cobolli, Lorenzo Musetti und Jannik Sinner – in den Top 15 fest.
Die neue dreier-formation jagt die alten weißen hemden
Die Zahl klingt klein, wirkt wie ein Klacks auf dem Papier, aber sie versetzt die statistische Tennis-Welt aus den Angeln. Seit 1973 schafften es lediglich acht Italiener in die erlesene Riege der besten 15. Zwischen Corrado Barazzutti 1979 und Fabio Fognini 2014 klaffte ein Vakuum von 35 Jahren. Jetzt kommt innerhalb eines Wochenendes der dritte Name nach – und keiner weiß, wo das Ende ist.
Cobolli selbst wirkt wie ein Schläger, der erst auf Touren kommt. In Mexiko ließ er den Griechen Stefanos Tsitsipas im Finale alt aussehen, servierte 15 Asse, brach dreimal dessen Aufschlag und feierte im Stehbereich mit seinem Team, als hätte er gerade eine Wette gewonnen. Die Quote für seinen Sieg lag vor Turnierbeginn bei 34,0 – ein Schnäppchen für Risikofreudige, ein Schlag ins Gesicht für Analysten.
Was folgt, ist eine Ranglisten-Landschaft, die künftig Kapitel über Italien schreiben muss. Sinner führt das Trio als Weltnummer drei an, Musetti hält bei 11, Cobolli schließt als frischgebackener 14. an. Gemeinsam sammelten sie seit Januar 46 Matchsiege – mehr als Frankreich, Großbritannien und Spanien zusammen. Das ist kein Zufall mehr, das ist ein Klima.
Die Frage ist nicht, ob Italien künftig Grand-Slam-Trophäen sammelt. Die Frage lautet: wie viele auf einmal. Die Antwort liegt in den Trainingslagern von Monte Carlo, Bordighera und Tirrenia, wo neue Kids mit demselben Drill aufwachsen, der einst Sinner zu einem Baseline-Maschinengewehr machte. Wer jetzt noch von „Goldener Generation“ spricht, hat die Kassette nicht umgedreht: Dies ist nur die erste Pressung.
Und während Cobolli in Rom durch die Straßen fährt, wo ihm Taxi-Fahrer gratulieren und Baristen Cappuccinos nicht mehr berechnen, schraubt sich die Messlatte selbst. Die Top 10? Keine Fan-Vision mehr, sondern reine Mathematik. Sein Coach Claudio Galoppini kennt die Zahlen: 680 Punkte bis Rang zehn, drei Turniere, maximal 1.500 abzugreifen. „Wir fliegen nach Miami, nicht nach Hause“, sagt er, und man glaubt ihm jedes Wort.
Italiens Tennis schreibt gerade das Drehbuch für eine Serie, bei der jede Folge ein Cliffhanger ist. Die erste Staffel endete in Acapulco mit einem Knall. Staffel zwei startet in Indian Wells. Die Protagonisten haben Namen, Gesichter – und einen Hunger, der kein Ende findet.
