Chivus maske rutscht: inter-trainer platzt nach derby die hutschnur

Ein Lächeln noch, dann brüllt er. Cristian Chivu, bislang das Sinnbild mediterrane Ruhe, kassierte gegen Atalanta Gelb-Rot – und ließ dabei zum ersten Mal die Contenance sinken. Seit dem Derby ist der Inter-Coach ein anderer.

Der mann, der vom philosoph zum provokateur wurde

Noch vor Wochen zitierte er Epikur, sprach über Angst und Familie, als wäre die Pressekonferenz ein Café in Bukarest. „Wir müssen die beste Version unseres Selbst sein“, murmelte er damals, fast schon yogisch. Doch die Devise gilt nicht mehr. Nach dem 0:1 gegen Milan, dem Europacup-K.o. gegen Bodo/Glimt und dem umstrittenen 1:1 gegen Atalanta hat Chivu den Modus gewechselt.

Beleg Nummer eins: die Genova-Presse nach dem Bodo-Debakel. „Keiner gibt Inter je Credit“, knurrte er plötzlich, „fragt diejenigen, die etwas gegen uns haben.“ Beleg Nummer zwei: Como, Pokal-Halbfinale, 0:0. „Je mehr wir machen, desto mehr gelten wir als Idioten.“ Und schließlich Krstovic’ umstrittener Ausgleich am Sonntag. Chivu tobte, Manganiello zeigte Rot. Erstmals wurde der Rumäne zur Zielscheibe – und machte sich selbst dazu.

Warum der plötzliche sinneswandel gerade jetzt droht

Warum der plötzliche sinneswandel gerade jetzt droht

Inter liegt zwei Punkte vor der Roma, die Scudetto-Kuriere schon wieder mit Spatengalopp. Doch statt Geschlossenheit brodelt es intern. Die Ausfallliste liest sich wie ein Krankenhausplan: Bastoni, Calhanoglu, Thuram. Die Leistungskurve seit Januar: abwärts. Und die nächsten Gegner: Roma, dann Auswärtsspiel in Florenz – ohne Chivu an der Linie, wegen der Sperre.

Im Stadion herrscht seit Tagen Dauerdonner. Die Curva Nord drohte selbst dem Vorstand mit Boykott, sollte der Klub weiter „brav“ die Schiedsrichterdekrete schlucken. Chivus Wutrede passt ins Bild, doch sie entlässt niemanden aus der Pflicht. Noch hat Inter die Champions-League-Quali in der eigenen Hand. Verliert man aber am Sonntag gegen Roma, rutscht die Mannschaft erstmals seit 2022 auf Platz vier – und die Saison kippt.

Chivus Zen-Phase ist vorbei. Ob die neue Schärfe die Truppe befeuert oder spaltet, entscheidet sich in den nächsten 180 Minuten. Die Fans feiern den Coach jetzt als Volkstribun – doch Volkstribune haben bei Inter eine kurze Halbwertszeit. Gewinnt er nicht, war’s das mit der Philosophie und mit der Ruhe. Dann wird nicht mehr geredet, sondern gezündelt.