Chinas snooker-revolution: wu yize zertrümmert die britische krone
Zhao Xintong riss 2025 das Tor auf, Wu Yize stürmte hindurch – und plötzlich steht der Snooker-Weltverband vor einem Albtraum in Grün. Der 21-jährige Chinese schlägt im Crucible Theatre den amtierenden Champion mit 18:12, wird zum jüngsten Weltmeister seit Stephen Hendry 1990 und katapultiert die Volksrepublik an die Spitze eines Sports, den die Briten 99 Jahre lang als Erbstück hüteten.
Die rangliste lügt nicht mehr
Vor zwölf Monaten dominierten noch fünf UK-Flags die Top Five. Am Montag nach dem Finale blinken sechs chinesische Namen in den ersten 20 Plätzen, Zhao (3) und Wu (4) schießen sich auf Olympia-Positionen. „Das war kein Flash in the Pan“, sagt Six-Time-World-Champion Steve Davis im BBC-Studio, „das ist ein Systemwechsel.“
Das System hat einen Namen: staatliche Förderung plus Familienopfer. Wu’s Vater verkaufte 2019 das Eigenheim in Lanzhou, klappte den Antiquitätenladen zu und zog mit Sohnemann nach Sheffield – direkt neben der Snooker-Akademie, in der Hendry einst seine Breaks schraubte. „Meine Mutter blieb im Krankenhaus in China, schickte mir nur eine Sprüche-Message: ‚Keine Rückflugtickets kaufen, ich übernehme die Rechnungen‘“, erzählte Wu nach dem Triumph. Der Mutter hatte Leberkrebs diagnostiziert; sie überlebte, er gewann.

40 Millionen klicks in zwei stunden
Chinas soziale Netze kochen. Der Hashtag „Wu Yize Weltmeister“ knackte auf Weibo binnen 120 Minuten die 40-Millionen-Marke, die finale Session laut CCTV-Zwischenberichten 110 Millionen gleichzeitige Zuschauer. Zum Vergleich: Das WM-Finale 2016 mit Ding Junhui als Verlierer sahen 45 Millionen – damals schon Weltrekord außerhalb des Fußballs.
Die Nachfrage überschwemmt die Hallen. In Peking, Shanghai, Shenzhen melden 1.500 Clubs Wochen nach dem Titel Wartelisten für Anfängerkurse. Hersteller wie „Xingpai“ und „Lion“ verkaufen Tische im Drei-Schicht-Betrieb, die Queue-Preise verdoppelten sich seit Januar. „Wir liefern nach Europa, weil die Briten unsere Carbon-Technik wollen“, sagt Manager Li Jun per Telefon aus Dongguan, wo Wu einst seine ersten 147er trainierte.
Die WPBSA reagiert mit Machtwort. Präsident Jason Ferguson kündigt für August eine China-Tour mit fünf neuen Ranking-Events an, Preisgeld-Summe umgerechnet 7,5 Millionen Euro. „Wir können das Zehnfache investieren, weil chinesische Sender die Rechte in bar bezahlen“, sagt er. Die UK-Traditionsturniere bleiben, aber ihre Geldgeber drucken Yuan statt Pfund.
Am Crucible-Kamin steht Wu, stemmt den Pokal, neben ihm Hendry, der einstige Jungkönig. Der Schotte postet ein Split-Bild: rechts das Foto von 2012 – achtjähriger Wu in seinen Armen – links das von heute. Die Botschaft ist ein einziges Satzfragment: „Er kommt, um zu bleiben.“ Die britische Krone ist abgeschossen, das grüne Reich teilt sich neu auf – und der Tisch ist längst in chinesischer Hand.
